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16. Juli 2010
Die Schlossgeschichte, frei nach Sade
Am Samstag erwartet die Besucher des Musikspektakels in Schmieheim eine eigenwillige Nacherzählung der 400 Jahre alte Historie.
KIPPENHEIM-SCHMIEHEIM. Der Komponist Christian Sade windet sich auf seinem Sessel in seiner Wohnung unter dem Dach des Schmieheimer Schlosses. Nein, er wolle nicht zu viel verraten, um was es bei seinem musikalischen Spektakel im Schlosshof geht. Nur eine klitzekleine Kleinigkeit: Es geht um die Rettung der Welt – und das Schmieheimer Schloss, das bei dieser fulminanten Angelegenheit eine tragende Rolle spielt.
400 Jahre alt wird der dreiturmige Bau, am Wochenende wird gefeiert. Christian Sade (Jahrgang 1962), der seit vier Jahren im Schloss wohnt, hatte die Aufgabe zum Jubiläum dessen Geschichte nachzuerzählen. Er tut es. Allerdings auf seine ganz eigensinnige Weise."Ich habe die Geschichte völlig verhunzt. Ich erzähle nichts, was falsch ist, ich habe aber Einiges dazu erfunden, und nachprüfen kann es ja niemand", hat er vor Kurzem ironisch über sein Spektakel "Schloss-Orakel" gesagt. Der Dirigent mehrerer Musikkapellen, darunter Schmieheim selbst, Seelbach und Waldkirch, hat sich aus der Historie ein paar Punkte herausgepickt und verbindet sie in Szenen mit einem roten "Draht", wie er es mit charmant-französischem Akzent beschreibt.
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Der Ausgangspunkt könnte mystischer nicht sein, wie Sade dann herausrückt: "Das Schloss ist auf dem Tor des Bösen zur Welt gebaut worden." Wie ein Stöpsel auf dem Bohrloch im Golf von Mexiko sitzt das Gemäuer auf dem unheimlichen Loch. Kann die dunkle Macht aus den drei Türmen entweichen oder naht Rettung? Am Samstag werden es die Besucher unter freiem Himmel im Schlosshof erfahren. Nahezu 120 Personen aus Schmieheim und Kippenheim sind beteiligt, indem sie musizieren, tanzen, singen und schauspielern. Bis auf vier Stücke hat Christian Sade das Drehbuch und die Musik selbst erschaffen. Man kann sich das so recht vorstellen: Nächtens sitzt der weißlockige Sade im alten Gemäuer am Schreibtisch, die verrückten Ideen umschwirren ihn wie Gespenster. Ihm sei klar, dass der Stoff des "Schloss-Orakels" nicht leicht verdaulich ist, aber wer mit den zum Teil hirnakrobatischen und skurrilen Dialogen nichts anfangen kann, könne sich ja an der Musik und an den Kostümen erfreuen.
Sade ist ein Grenzgänger. Bei ihm verwischen die Grenzen zwischen leichter Unterhaltungsmusik und ernsthafter Musik wie Klassik. So auch beim "Schloss-Orakel". Darin hat er Blasmusik, den Soulsänger Ray Charles und russischen Komponisten Igor Strawinsky verarbeitet. Neben hochdeutschen Rollen schwätzt eine Personage auf gut Schmieheimerisch. Das Stück ist ein Ritt durch die Zeit und es ist wahrlich kein Volkstheater, dennoch spielt das Volk begeistert mit.
In den 90 Minuten, die keinen Eintritt kosten, steckt ein ganzes Jahr Arbeit. "Das ist der Frust jeder Kreation", sagt Sade über die Einmaligkeit des Spektakels. Ein Trost sei, dass die Beteiligten nach anfänglicher Skepsis, was der "verrückte Komponist" denn Merkwürdiges von ihnen wolle, nun sehr gut mitziehen: "Das Eis ist gebrochen und es hat Spaß gemacht zu proben." Seit Januar wird für den großen Auftritt geübt. Nun hofft Sade nur noch, "dass wir zwischen die Tropfen kommen". Wenn es dauerhaft regnen sollte, müsse man das Spektakel auf Sonntag in die Halle verlegen. Der Kampf gegen das Böse muss sein, ob bei gutem oder bei schlechtem Wetter.
Autor: Ulrike Derndinger
