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06. März 2010
Einmal und immer im Verein ist passé
Udo Wenzl zeigte Wege auf, wie Jugendliche für Vereine und das Ehrenamt gewonnen werden können.
KIPPENHEIM. Schon die alten Griechen haben sich über die "Jugend von heute" beklagt. Und daran hat sich in den 2500 Jahren seither nichts geändert. Heutzutage klagen vor allen Vereine, sie finden keinen Nachwuchs, weil die Jugendlichen vor dem Computer sitzen und ihnen die kalte Schulter zeigen. "Stimmt nicht", sagt Udo Wenzl, die Jugendlichen seien sehr wohl bereit, sich zu engagieren. Er fordert die Vereinsvertreter auf, sich einmal zu hinterfragen, wie sie auf Jugendliche zugehen und wie sie auf Jugendliche wirken.
An die 40 Vereinsvertreter aus Kippenheim und Mahlberg wollten am Donnerstag auf Einladung der Projektgruppe Vereine von Lebensqualität durch Nähe (LQN) in der Kippenheimer Festhalle hören, was der Bildungsreferent bei der Landesstiftung Baden-Württemberg zum Thema "Die junge Generation in Verein, Gemeinde und Organisationen – wie kann ich Jugendliche für das Engagement motivieren" zu sagen hatte.Wenzl ging auf die Zielgruppe der Vereine, die Jugendlichen, ein. Er verdeutlichte, dass die Vereine hier nicht auf eine homogene, sondern auf eine heterogene Gruppe treffen. "Die Jugend gibt es nicht", schickte er voraus, "sondern Jugenden, die sich sehr unterscheiden." Veränderte Familienstrukturen, eine sich verändernde Gesellschaft mit einem großen Anteil Jugendlicher mit Migrationshintergrund, ein verändertes Freizeitverhalten, als Auswirkung der Bildungsdebatte, eine stärkere Leistungsorientierung, immer weniger Jugendliche und eine Konkurrenzsituation im Ringen um die Jugendlichen – das sind Rahmenbedingungen, denen sich die Vereine stellen, mit denen sie sich auseinandersetzen müssen.
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Die Shell-Studie von 2006 zeige, dass bei den Jugendlichen ein Wertewandel stattfinde, traditionelle Werte wieder an Bedeutung gewännen. Das gelte es zu nutzen. Die Motivation der Jugendlichen sich zu engagieren sei da, die Frage sei, wo gehen sie hin. Die Antwort gab Wenzl gleich: "Sie gehen dahin, wo es Spaß macht, Spaß ist das Hauptmotiv." Scharf wandte er sich gegen die abwertende Bezeichnung "Spaßgeneration". "Spaß ist etwas wichtiges", sagte er. Daneben spiele für die Jugendlichen eine wichtige Rolle, welchen Nutzen sie aus ihrem Engagement für die eigenes Leben mitnehmen können.
Den Spaßfaktor und gleichzeitig den persönlichen Nutzen eines Engagement zu vermitteln, sei das A und O, will man Jugendliche für den Verein gewinnen.Da Internet für die Jugendlichen eine zentrale Rolle spielen, sie dies dabei ein wichtiges Instrument. "Nutzen Sie das Internet", forderte Wenzl die Vereinsvertreter auf. Zuvor sollten sich die Vereinsvertreter jedoch selbst hinterfragen, ob ihre Außendarstellung so ist, dass sich Jugendliche davon angesprochen fühlen. "Ziehen Sie Jugendliche Hinzu, wenn sie ihren Internetauftritt verändern wollen", empfahl der Referent.
Wichtig sei es auch, von lieb gewonnen, aber inzwischen überholten Dingen Abschied zu nehmen. "Einmal im Verein, immer im Verein ist passé." Nicht nur Studium, Beruf forderten Mobilität, die Jugendlichen wollten heute eher verschiedene Angebote ausprobieren und wechselten deshalb häufiger den Verein. "Viele kommen und gehen, manche bleiben." Heute komme alle zwei bis vier Jahre eine neue Generation. "Begrüßen – begleiten – verabschieden" müsse deshalb die Devise sein. Das erfordere ein Umdenken und Aufbrechen bestehender, aber oft nicht mehr zeitgemäßer Strukturen.
Neue Wege müssen nach den Worten Wenzls ebenso beschritten werden, sollen Jugendliche für die Vereinsführung gewonnen werden. "Einmal ein Amt und dann nicht mehr raus, ist out", stellte der Referent fest. Erfolgversprechender sei, Ziele definieren, eine Stellenbeschreibung für Ehrenämter machen, begleiten und qualifizieren, maßgeschneiderte und projektorientierte Formen für ein Engagement, auch kurzfristig, suchen. Und: Junge Leute aufbauen und rechtzeitig zurücktreten.
Autor: Theo Weber
