Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

20. Juli 2011

"Ich habe Angst, dass das Schloss in private Hände übergeht"

BZ-UMFRAGE zur Entscheidung des Schmieheimer Ortschaftsrates am Montagabend sich selbst abzuschaffen.

  1. I. Kalupniece Foto: Andrea Bär

  2. A. Markstahler Foto: Sandra Decoux-Kone

  3. J. Lusch Foto: Andrea Bär

  4. S. Beck Foto: Andrea Bär

  5. K. Stannebein Foto: Andrea Bär

KIPPENHEIM-SCHMIEHEIM. Wie eine Bombe schlug die Entscheidung des Ortschaftsrats ein, sich bis 2014 selbst aufzulösen. Die Badische Zeitung wollte gestern von den Schmieheimer Bürgerinnen und Bürgern wissen, was sie von der Entscheidung halten. Nicht alle, die zu dem Thema etwas sagten, wollten sich in der Zeitung mit Namen veröffentlicht sehen. Unter der Hand haben aber einige gestern unserer Mitarbeiterin Irene Bär erzählt, dass sie besonders fürchten, dass das Schmieheimer Schloss verkauft werde, wenn es den Ortschaftsrat nicht mehr gibt.

Inese Kalupniece, 25 Jahre, Physiotherapeutin: Ich finde die Entscheidung gut und sinnvoll, weil Schmieheim ein Teil von Kippenheim ist.

Margot Meier, 77, Hausfrau: Ich und mein Mann waren in der Sitzung anwesend, wir sind nicht dafür. Die Entscheidung wurde sehr schnell innerhalb von ein paar Tagen gefällt, ohne dass man vorher wusste worum es geht. Wir sind überrascht worden.
Andrea Büttner, 46, Krankenschwester: Ich kann die Entscheidung nachvollziehen, obwohl ich sie nicht gut finde. Dann haben wir in Schmieheim kein Gremium mehr. Aber wenn die Ortschaftsräte immer von den Gemeinderäten überstimmt werden…

Werbung

Arno Marksthaler, 54, Postbeamter: Prinzipiell war schon seit längerem damit zu rechnen, wir leben in einem anderen Zeitalter. Vielleicht sind wir Vorreiter in einer größeren Region, andere Gemeinden könnten folgen. Dass es so kommt, trifft viele hart. Ich sehe die Entscheidung mit gemischten Gefühlen. Ich war selbst zehn Jahre lang im Ortschaftsrat, das Thema lag schon in den 1980er Jahren auf dem Tisch, als Jürgen Milde noch Ortsvorsteher war. Jeder denkt bei der Entscheidung gleich an das Schloss. Ich selbst hoffe, dass eine Abteilung von der Kippenheimer Verwaltung ausgegliedert wird, damit das Schloss ausgelastet bleibt. Hier ist uns die größte Sorge, dass das Schmieheimer Schloss in öffentlicher Hand bleiben soll.
Jörg Lusch, 45, Braumeister: Okay, grundsätzlich sind Kippenheim und Schmieheim eine Einheit, und der Ortschaftsrat brauchte immer eine Genehmigung vom Gemeinderat und wurde von diesem meistens überstimmt. Ich denke, dass Schmieheims Wählerinnen und Wähler bei den kommenden Kommunalwahlen ihr Kreuzchen an der richtigen Stelle machen, damit ihre Interessen gewahrt bleiben.
Simone Beck, 36, selbstständige Fleischfachverkäuferin: Ich weiß nicht, was ich davon halten soll, über kurz oder lang werden andere Gemeinden folgen. Ich persönlich finde es schade, weil man Kontakt zu Entscheidungsträgern hatte. Kein Kippenheimer kommt nach Schmieheim. Als ich über die Frage der Auflösung vergangene Woche in der Zeitung las, habe ich das Gefühl bekommen, dass alles weggeht, mit der Bank hat es angefangen…
Käthe Stannebein, 74, Rentnerin: Ich finde die Entscheidung nicht gut. Wir haben mit den Ortschaftsräten immer noch einen Ansprechpartner, wenn uns etwas auf dem Herzen liegt. Außerdem habe ich Angst, dass das Schmieheimer Schloss in private Hände übergeht.
Heinz Kölle, 76, Winzer: Die Entscheidung ist mir unverständlich und ich lehne das Vorhaben strikt ab – von wegen Bürgernähe. Die Politiker gehen immer weiter weg von uns.









Autor: Text und Fotos: Irene Bär