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07. Oktober 2010 18:14 Uhr

Ortenau

Isabell Kindle: Die Weinprinzessin gibt ihre Krone ab

"Für mich geht ein Lebensabschnitt zu Ende", sagt Isabell Kindle: Nach vier Jahren als Weinkönigin und -prinzessin gibt sie ihre Krone ab. BZ-Redakteur Christian Kramberg blickt zurück.

  1. Isabell Kindle, so wie man sie oft erlebt hat in ihrer Zeit als Weinkönigin und -prinzessin. Foto: Michael Bamberger

  2. Ungeahnte Höhenflüge: Isabell Kindle bei einem Tandemsprung mit dem Fallschirm. Foto: Privat

KIPPENHEIM. Heute darf Isabell Kindle ihre goldene Krone zum letzten Mal tragen, bevor sie sie am Abend ihrer Nachfolgerin als Deutsche Weinprinzessin aufs Haupt setzen wird. Die Kippenheimerin gibt damit nicht nur ein Amt ab, für sie geht ein Lebensabschnitt zu Ende: Vier Jahre lang war sie als Königin und Prinzessin in Deutschland und im Ausland in Sachen Wein unterwegs. "Für mich geht ein Lebensabschnitt zu Ende", sagt sie rückblickend.

Kippenheimer Weinkönigin (2006), Breisgauer Weinprinzessin (2007), Badische Weinkönigin (2008), Deutsche Weinprinzessin (seit 2009) – das sind die Stationen des Aufstiegs der Kippenheimerin. Und ein Zeitabschnitt, der sie geprägt und verändert hat. Kindle: "Man entwickelt sich in einem Jahr so, wie man sich normalerweise in fünf Jahren entwickelt." Aus dem jungen Mädchen aus Kippenheim ist eine routinierte und selbstbewusste Botschafterin in Sachen Wein geworden. Die Worte sind wohlüberlegt, das Lächeln ist professionell und dennoch hat sich die 24-Jährige viel von ihrem fröhlichen Naturell erhalten, das dazu beigetragen hat, dass sie mehrmals gekrönt wurde.

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Seit’ an seit’ mit Politikern und Britni Spears

Isabell Kindle hat die Zeit genossen, die vielen Menschen, Orte und Veranstaltungen, die sie kennengelernt hat, darunter vor allem die Auslandsreisen nach Thailand, Japan oder zuletzt in die Ukraine. Sie durfte mit dem Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit oder dem rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck Weinfeste eröffnen, sie lernte die Bundeskanzlerin kennen und bei der Bambi-Verleihung in Offenburg ist sie dem amerikanischen Schauspieler Keanu Reeves und den Sängerinnen Britney Spears und Pink ganz nahe gekommen. Und immer ein Weinglas in der Hand. Ob da auch mal roter Johannisbeersaft statt roter Spätburgunder drin war? Isabell Kindle lacht: "Nein, natürlich nicht. Aber man muss schon aufpassen, das man einen klaren Kopf behält, und lernen, nicht jedes Glas Wein auszutrinken."

Trotz Stress, Terminen und viel Reiserei ist es für Isabell Kindle keine Frage, dass sie – wäre sie vor die Entscheidung gestellt – wieder als Weinhoheit antreten würde? "Auf jeden Fall", sagt Kindle sofort, "ich habe den Wein lieben gelernt, da hat sich eine richtige Leidenschaft entwickelt." Gemeinsam mit ihren früheren Badischen Weinprinzessinnen Eva Müller (Ihringen) und Adrienne Streif (Durbach), die zu engen Freundinnen geworden sind, hat sie deshalb die Firma Evadisa gegründet – der Name ist zusammengesetzt aus den Vornamen des Trios. Die drei Ex-Weinhoheiten übernehmen Moderationen, veranstalten Weinproben oder bieten Seminare an.

Kein Zickenkrieg

Dass sich frühere Konkurrentinnen so gut verstehen, ist nicht ganz selbstverständlich in dem Metier. "Es ist natürlich nicht ganz einfach, wenn man bei einer Wahl nur Prinzessin wird. Manche kommen damit besser klar, manche nicht." Andererseits, so Kindle, gehe es aber auch nicht so zu wie bei einer Miss-Wahl oder bei DSDS. "Wir sind zwar Konkurrentinnen, wir sind aber auch alle bodenständig. Da gibt es keinen Zickenkrieg." Sonja Christ, die amtierende deutsche Weinkönigin, ist sogar extra nach Kippenheim zu Kindles Geburtstag gekommen.

Im Nachhinein hat Isabell Kindle dem Umstand, dass nicht sie, sondern Sonja Christ heute vor einem Jahr zur Deutschen Weinkönigin gekürt wurde, etwas Gutes abgewonnen: "So konnte ich mein Studium zu Ende bringen." Deutsch, Kunst und Theologie sind die Fächer, die sie künftig als Realschullehrerin unterrichten wird. Im Februar 2011 wird sie ihr Referendariat antreten, wenn’s nach Kindle geht, dann am liebsten in Ettenheim. "Ich freue mich jetzt darauf, ins Berufsleben starten zu können."

"Man muss gerne alleine reisen und auf die Menschen zugehen wollen."

Isabell Kindle
Als Deutsche Weinprinzessin hatte sie etwa 50 bis 70 Termine im vergangenen Jahr. "Das war ideal, um mein Pensum wieder abzubauen." Im Jahr zuvor als Badische Weinkönigin musste sie rund 250 Termine absolvieren. Es war sicherlich ihr stressigstes Jahr, sie lernte aber auch am meisten von der Welt kennen. Jedes Amt hatte für Isabell Kindle dabei einen besonderen Aspekt. Als Kippenheimer Weinkönigin war es "unglaublich schön", weil sie das ganze Dorf kennengelernt hat, als Breisgauer Weinprinzessin entdeckte sie die Weinbauregion ihrer Heimat zum ersten Mal so richtig: "Da habe ich gemerkt, dass ich es gerne mache." Und als Deutsche Weinprinzessin wurde ihr bewusst, "wie man deutschen Wein sieht, wenn man nicht damit aufwächst". Zum Beispiel bei Weinfesten im Ruhrpott oder ihren Besuchen in ausgesprochenen deutschen Biermetropolen. "Es gab da sehr viel Interesse am Thema Wein. Mir ist klar geworden, dass man in Deutschland viel mehr für Wein werben muss."

Jetzt geht’s nach Austtralien – ohne Krone

Sehr viel Positives hat Isabell Kindle in den vergangenen vier Jahren erlebt, das wenige Negative verschwindet dahinter. "Man muss gerne alleine reisen und auf die Menschen zugehen wollen", sagt Kindle, und auch die wenige Freizeit darf einen nicht stören. "Ich habe das gerne in Kauf genommen", räumt die 24-Jährige ein.

Junge Frauen, die ihr nacheifern wollen, rät Isabell Kindle deshalb sich zunächst zu überprüfen: "Nicht jeder Typ Mensch ist dafür geeignet." Die ausgefallene Freizeit holt Isabell Kindle nun geballt nach: Ende Oktober fliegt sie mit einer Freundin für zwei Monate nach Australien. Dann ganz ohne Krone.

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Autor: Christian Kramberg