Kunstwerk oder "mittleres Risiko"

Theo Weber

Von Theo Weber

Mi, 04. Januar 2012

Kippenheim

Bürgermeister Matthias Gutbrod sieht die Diskussion um den Kreisel am nördlichen Ortseingang gelassen.

KIPPENHEIM. Matthias Gutbrod nimmt’s mit Humor. "Der Bauhof hat bereits den Auftrag. Der wird platt gemacht, damit die Autofahrer wieder volle Kanne ins Dorf hineinbrettern können". Anlass für den bürgermeisterlichen Aktionismus am ersten Arbeitstag nach Weihnachten ist ein "mittleren Risiko" in Kippenheim – zumindest nach Einschätzung des Verkehrsministeriums in Stuttgart – der Kreisverkehr am nördlichen Ortseingang.

Als "mittleres Risiko" haben die Verkehrsbehörden der Polizeidirektion Offenburg das Bauwerk eingestuft. Und damit droht ihm Gefahr nach dem Erlass des Verkehrsministeriums, mit dem die Verkehrssicherheit erhöht werden soll. Und als solche Gefahrenquellen hat die Ministerialbürokratie nun einmal die Kreisel ausgemacht und, wie es sich für Bürokraten gehört, gleich auch klassifiziert. Der Kreisel an der B 3, der unter anderem auch die Geschwindigkeit vor dem Ortseingang reduzieren soll – was er auch tut – , ist in den Fokus der Behörde gerückt.

Wie so oft sind die Sichtweisen grundverschieden . Was die einen als mittleres Risiko einstufen, ist für andere ein gelungenes Bauwerk, das seinen Zweck voll und ganz erfüllt, und darüber eine Möglichkeit für eine Gemeinde zur Selbstdarstellung. Kunst schmückt landauf, landab die Kreisel, auch den in Kippenheim.

Modern sollte das Kunstwerk sein und auf die Gemeinde hinweisen mit der Industrie und dem Weinbau. Auszubildende der Kippenheimer Firma Janoschka sowie der Mitarbeiter und Künstler Kurt Hockenjos machten dazu zahlreiche Gestaltungsvorschläge. Die Gruppe Ortsbild vom Projekt "Lebensqualität durch Nähe" mit Carmen Karcher an der Spitze traf eine Vorauswahl, die dem Gemeinderat präsentiert wurde. Rund 15000 Euro hat sich die Gemeinde die Verwirklichung des Projekts von Kurt Hockenjos kosten schließlich lassen, das seit April 2008 den Kreisel ziert.

Dass das Kunstwerk, das wie in vielen anderen Gemeinden hier zu Ländle den Ortseingang attraktiver macht, nun plötzlich die Verkehrssicherheit beeinträchtigen soll, mag Gutbrod nun wirklich nicht erkennen.

"Als wir vor fast vier Jahren beschlossen haben, den Kreisverkehr zu gestalten, haben wir das selbstverständlich mit dem Landratsamt abgestimmt und die Behörde hat unserem Vorschlag auch zugestimmt. Wir haben damals nicht willkürlich etwas gemacht, und deshalb gehe ich davon aus, dass er Bestandsschutz hat und dass wir uns auf die damalige Zustimmung des Landratsamtes auch heute noch verlassen können", gibt sich der Bürgermeister gelassen.