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19. Juli 2010

Märchenhafte Feier im Schloss

Mit Festvortrag von Niklot Krohn zur Geschichte und einer Weindegustation mit zwei Weinhoheiten startet das Schlossjubiläum.

  1. Bürgermeister Matthias Gutbrod und Ortsvorsteher Christa Dietz (erste Reihe von links) beim Festvortrag zum Festbankett. Foto: Fössel

  2. In allen Belangen ein stimmungsvoller Abend im und rund ums Schmieheimer Schloss. Foto: Heidi Foessel

KIPPENHEIM-SCHMIEHEIM. Ein Dorf feierte drei Tage lang sein Schloss. Die Schmieheimer Bürger zeigten sich mächtig stolz auf ihr Kleinod und als gute Gastgeber für die 400-Jahr-Feier des Schmieheimer Schlosses. Zum Auftakt der Feiertage gab es am Freitag einen Festvortrag und eine Weinpräsentation mit der amtierenden Deutschen Weinprinzessin Isabell Kindle und der Kippenheimer Weinkönigin Lisa Schlenker. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von "Quint Bordum" mit mittelalterlicher Musik.

Beim Festabend machten zahlreiche Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Kirche und Vereinen den Schmieheimern und ihrem Schloss ihre Aufwartung. Dessen Geschichte beleuchtete Historiker Niklot Krohn in einem lebendigen Vortrag – und er klärte auch auf, weshalb , die Geburtstagsfeier nicht wie eigentlich geplant schon im vergangenen Jahr stattfinden konnte. Bei den damaligen Recherchen wurde nämlich festgestellt, dass das Schloss erst im Jahre 1610 fertig gestellt wurde.

An dieser Kleinigkeit hielten sich aber Krohn noch die geladenen Gäste nicht lange auf. Vielmehr nahm Krohn seine Zuhörer mit auf eine Zeitreise durch die Jahrhunderte mit der Geschichte des Schlosses und seinen wechselnden Besitzern. Als da gewesen waren die Bocks und die Grafen Waldner, die das ländliche Renaissancegebäude durch Anheirat oder Vererbung besessen hatten. Das Gebäude habe alles, was man sich aus romantischer Sicht wünsche. Seine Recherchen ergaben Geschichtchen von Liebe, Streit, Intrige und gesellschaftlichen Zwängen wie sie ein Boulevardblatt heute über den Adel nicht besser schreiben könnte.

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In seinen Erläuterungen zur Architektur belegte er, dass das Schloss mit seinem Treppenturm und seinem Grundriss sowie mit der Bauweise charakteristisch für ein Jagdschloss oder eine Sommerresidenz war. Nach dem Bau von 1607 bis 1610 unter den Bocks und einem Besitzerwechsel an die Wurmser von Vendenheim besaßen die Grafen Waldner das Schloss über zwei Jahrhunderte am längsten, bevor Edouard Pierre Waldner de Freundstein es 1925 an die Gemeinde verkaufte. Damit endete für die Schmieheimer zugleich die Epoche der Adelsherrschaft.

Das Gebäude hatte dann verschiedene Zweckbestimmungen. Mit der Ansiedlung der heutigen Schule im Schlossgarten im Jahr 1955 kam das Schloss endgültig bei den Bürgern an. Aus ihrem Schulleben ist es nicht wegzudenken. Das ist bis heute geblieben. In den Jahren 1958 bis 1961 wurde es gründlich renoviert. Aus der langen und teueren Renovierungsphase resultierte bei den Schmieheimern die Lust an der Denkmalpflege, meinte Krohn. Auch das ist bis heute so: Nach erfolgter Außenrenovierung im Jahr 2007 erstrahlt es jetzt in neuem Glanz. Besonders für Hochzeiten bietet das Schloss mit seinem idyllischen Garten ein besonderes Ambiente. Das gilt natürlich auch für Weinpräsentationen.

Eine solche schloss sich nach dem Festvortrag an. Die beiden Kippenheimer Weinhoheiten stellten von der Winzergenossenschaft Münchweier, Wallburg, Schmieheim und von den ortsansässigen Weingütern Volker Ackermann, Lothar Schwörer und Jürgen Meier Weine vor, den die Gäste sogleich in der lauen Sommernacht genießen durften. Und wer mit den vielen Jahreszahlen in Krohns lebendigem Vortrag durcheinander gekommen war, der kann diese fortan auch an einer Schautafel am Schloss, die von Ortsvorsteherin Christa Dietz enthüllt wurde, nachlesen.

Eine Bilderseite zum Festwochenende finden Sie im Lokalteil. Außerdem gibt es viele weitere Fotos vom Jubiläum und vom Schloss selber unter http://www.badische-zeitung.de/kippenheim

Autor: Andrea Bär