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18. Juni 2012

Radrennstall „Racing Students“ bietet Radrennspektakel in Kippenheim

Radrennstall "Racing Students" bietet außergewöhnliches Radrennspektakel in Kippenheim / 3000 Zuschauer entlang der Strecke.

  1. Gefeiert (fast) wie die Großen: Bambinis auf der Rennstrecke mitten in Kippenheim. Foto: Sandra DEcoux-Kone

  2. Das Outfit stimmte bei diesem jungen Fan schon mal. Foto: Sandra Decoux-Kone

  3. Noch entspannt: Die Pedaleure vor dem Start zum Hauptrennen. Foto: Sandra Decoux-Kone

  4. Radsport begeisterte die Kippenheimer. Foto: Sandra Decoux-Kone

KIPPENHEIM. 60 der 80 Runden sind gefahren, der Sieger scheint festzustehen. Zur Hälfte der Renndistanz hat sich Samuel Obländer von den Racing Students aus der Spitzengruppe abgesetzt und den Vorsprung inzwischen auf gut eine halbe Minute ausgebaut. Doch Christoph Kindle bleibt skeptisch. "Hoffentlich hält er das durch", sagt er knapp. Die Skepsis ist durchaus berechtigt. In der Schlussphase macht sich Philipp Ries auf die Verfolgung. Und in der vorletzten Runde hat er zum Spitzenreiter aufgeschlossen. Doch im Schlussspurt setzt sich Obländer nach seiner Solofahrt über die Hälfte der Distanz von 64 Kilometer vor seinem Mannschaftskameraden durch.

Jetzt darf auch Kindle strahlen: "Wir haben unser Heimrennen gewonnen. Der Jüngste war der Sieger vor dem aus Herbolzheim, also praktisch vor der Haustür stammenden Philipp Ries". Fahrer der Racing Students auf den Plätzen drei und vier machen den Vierfachtriumph perfekt.

"Perfekt" ist das Wort, das Kindle am Samstagnachmittag, als im Kippenheimer Ortskern nichts mehr auf das vorabendliche Radspektakel hinweist, in den Mund nimmt. "Es war ein perfekter Abend. Das Wetter hat mitgespielt, mehr 3000 Zuschauer sind an der Strecke gestanden, ich habe nur positive Rückmeldungen bekommen, und unser Jüngster hat gewonnen", freut er sich über den Erfolg einer monatelangen Arbeit. Und nicht nur die Sieger auch er darf sich zusammen mit Alexander Gut nach dem Rennen feiern lassen.

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Nicht wenige haben den Kopf geschüttelt, als Kindle und Gut vor fünf Jahren – zur Hochzeit der Dopingdiskussion im Radsport – begonnen haben, ihre Idee, Leistungssport mit der Berufsausbildung zu verbinden, umzusetzen. Ihre Idee findet inzwischen bundesweit Beachtung. Die Racing Students sind im vergangenen Jahr der erfolgreichste Amateurrennstall in Deutschland gewesen. Zu seinen Sponsoren zählen nicht nur Unternehmen sondern auch Hochschulen.

Ihre Idee, für den Radsport mit jährlich in einer anderen Gemeinde in der Ortenau stattfindenden Rennen neue Freuden zu finden, haben sie im vergangenen Jahr in Friesenheim erstmals umgesetzt. Das Rennen zum fünften Geburtstag sollte in Kippenheim stattfinden, dort, wo die Racing Students ihre Heimat haben, dort, wo viele der Sponsoren der ersten Stunde beheimatet sind. Nicht in einem Industriegebiet sollten die Rennfahrer ihre Runden drehen, sondern im Ortskern.

Die Genehmigung für die Sperrung der B 3 zu bekommen, ist nur eine der Herausforderungen, die das Team um Kindle und Gut zu bestehen hat. Denn die beiden sind Perfektionisten, ihr Anspruch ist es, mit den letztlich fast 90 Helfern einen perfekten Radsportevent auf die Beine zu stellen. Die tausend großen und kleinen Punkte sind abgearbeitet, als am Freitagmorgen der Countdown beginnt. In der Poststraße wird der Wagen aufgestellt, von dem aus "Flash Back Austin" am Abend den Radsportfans einheizen. Daneben der Wagen für die Rennkommissare, von dort wird später auch Streckensprecher Sebastian Hautli seinen Teil zum Gelingen des Abends beitragen. Die Beschallungsanlage ist zu installieren, Verkehrsschilder sind aufzustellen.

Da die Kippenheimer Ortsdurchfahrt Bundesstraße ist, wird sie für den Durchgangsverkehr so lange wie möglich offengehalten. Erst um 17.30 Uhr, gerade mal eine Stunde vor dem Start der Bambini-Rennen, gibt Norbert Eichler, beim Polizeirevier Lahr zuständig für Straßensperrungen, das Signal zur Sperrung. Lastwagen fahren heran, bringen die Absperrgitter, die nun in Windeseile aufgestellt werden müssen. Andere haben große Schaumstoffplatten geladen, die in den Kurven die Folgen von Stürzen abmindern sollen. "Ohne die logistische Unterstützung der Firma Singler hätten wir das nicht schaffen können", sagt Kindle hinterher.

Dann gehen die Bambini auf die Strecke, danach die Vereins- und Firmenteams. Die richtige Einstimmung auf das große Ereignis, das Rennen um die Racing Students Trophy. Inzwischen stehen die Zuschauer insbesondere in der Poststraße und bis zum Wendepunkt bei der Volksbank dicht an dicht. Frenetisch feuern sie die Fahrer an, die ein Höllentempo vorlegen. Schnell zieht sich das Feld auseinander, bereits nach wenigen Runden müssen die ersten Fahrer überrunden lassen. Mit der Fortdauer des Rennens wird es, wie es bei solchen Ereignissen üblich ist, etwas ruhiger entlang der Strecke – bis Samuel Obländer seine Solofahrt startet. Jetzt sind die Radsportfans wieder voll da, feuern ihn an, wollen in förmlich ins Ziel schreien. Als dann Philipp Ries seine Aufholjagd startet, sind die Fans entlang der Strecke schier aus dem Häuschen. Tour-de-France-Atmosphäre in Kippenheim. Im Cabrio drehen die Erstplatzierten – umjubelt von den Fans – dann ihre Ehrenrunde.

Eine Feuershow und eine Trialshow verkürzen die Wartezeit auf die Siegerehrung. Auf den Heimweg machen sich unmittelbar nach dem Rennen nur die Wenigsten. Das mitreißende und rundum gelungene Radsportspektakel in Verbindung mit der lauen Sommernacht macht einfach Lust, sich darüber zu unterhalten und zu feiern. "Es war ein perfekter Abend". Keiner, der dabei war, wird Christoph Kindle widersprechen.

Ein Fotoalbum zum Radrennen in Kippenheim finden Sie unter http://www.badische-zeitung.de/kippenheim

Autor: Theo Weber