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19. Juli 2010

Schloss-Orakel wird zum Spektakel

Christian Sades spektakulärer Gang durch die Schmieheimer Schloss-Geschichte mit skurrilen Dialogen, toller Musik und beeindruckenden Darstellern.

Mit großer Spannung erwarteten nicht nur die Schmieheimer die Aufführung des Blasicals, das eigens zur 400-Jahr-Feier des Schlosses von Christian Sade am Samstag abend inszeniert wurde. An die 120 Akteure boten mehr als Tausend Gästen im Schlossgarten ein prächtiges Spektakel, das keiner so schnell vergessen wird.

Mit dem "Schloss Orakel", einem spektakulären Gang durch die Geschichte nicht nur des Schlosses sondern auch durch verschiedene Epochen von Musik und Mode setzte Christian Sade seine Vision um, ein ganzes Dorf zu animieren, gemeinsam zu feiern und etwas auf die Beine zu stellen. Das Stück war großartiges Theater, mit ausgefallenen Kostümen, mit eigens von Sade komponierter Musik und mit bunten Tanzszenen. Es waren anekdotische Szenen aus der Historie des Gebäudes, die musikalisch von der Schlosskapelle untermalt wurden; Spannnung und Humor fehlten nicht.

Zur Geschichte: Jubelnd und frohlockend empfangen die Schmieheimer im Jahr 1610 den Freiherrn Bock von Gerstheim (Oliver Häberle), der seine esoterisch veranlagte Frau Salome, eine geborene von Fegersheim (Heike Dreher), das Schloss zeigen will, das er für sie bauen ließ. Salome aber hat die Befürchtung, dass in dem Schloss Böses wohnt. Bevor es ihr neues Heim werden soll, bestellt sie den großen Magier Meierthusalem (Ralf Meier). Er bekommt den Auftrag, das Schloss nach guter spiritueller Beschaffenheit zu untersuchen.

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Diese Aufgabe erfordert all dessen Kraft. Bei der Anrufung aller Mächte der Erde und des Himmels verfällt er in Trance, sein Herz brennt. Und tatsächlich kommt eine Flamme aus seinem Kostüm, während er auf einen Stuhl sinkt. Nicht aber ohne vorher zu prophezeien, dass an einem Tag in der fernen Zukunft unkundige Menschen eine Zeremonie führen werden, die das Böse daran hindern werde, das Schloss als Tor zur Welt zu nutzen. An diesem Tag sollen vierzig Tänzer vierzig Schritte tun, ein Drache soll sich dem Volk zeigen. Zu zählen sind die Dämmerungen bis zu diesem Tag, diese Zahl muss gefunden werden. Um herauszufinden, wann der Tag der Erlösung ist, bedienen sich Bock und Salome der Hilfe des geschäftstüchtigen Schlawiners Meierlin (Harald Meier). Als Hellseher zeigt er den Schlossbesitzern die Zukunft. Es beginnt ein spektakulärer Gang durch die Geschichte mit Dautel, dem Steuereintreiber, der heute in der Gestalt eines Turmfalken spuke, der Geschichte, wie das Bier zum Schloss kam, wie das Schloss als Kindergarten oder gar als "Drogenumschlagplatz (sprich Tabakschopf) genutzt wurde oder dem Besuch des Ausländers Isaac Bernheim aus Amerika, der den Schmieheimern den "Irrentanz" – Charleston und Stepptanz – brachte. Das Ende bedeutet der Verkauf des Schlosses an die Gemeinde. Den Historikerstreit beenden Ortsvorsteherin Christa Dietz und Bürgermeister Matthias Gutbrod. Inzwischen ist Meierthusalem völlig ausgebrannt und der autoritäre Bock mutiert fast zum Musiker "Elvis". Nach 146 097 Dämmerungen ist die Erlösung endlich da. Vierzig Tänzer tanzen über vierzig Jahrzehnte vierzig Schritte, das Schloss ist vom Bösen erlöst.

Die Zuschauer waren begeistert. Es war eine gelungene Performance mit viel Esprit, Humor, Wichtigem und Unwichtigem und Skurrilem. Mit außergewöhnlichen Kostümen, einer gelungenen Mischung aus Eigenkompositionen sowie Hochdeutsch und Dialekt war es darüber hinaus ein Gang durch verschiedene Musik- und Modeepochen.

Autor: Andrea Bär