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12. September 2017 18:11 Uhr

Ortschaftsrat Schmieheim

Schloss soll im Mittelpunkt stehen

Ein Konzept zur Umgestaltung des Schmieheimer Schlossgartens wird es voraussichtlich im November geben. Am Montagabend stellte Planerin Kerstin Stern vom Ingenieurbüro Kappis zwei grobe Entwürfe im Ortschaftsrat vor.

"Wir wollten kein fertiges Konzept vorlegen, sondern es gemeinsam mit dem Rat und den Bürgern entwickeln", betonte Kerstin Stern. "Es soll Ihr Platz werden." Derzeit, so die Planerin, sehe man im Schlossgarten "viel Straßenfläche". Vor allem der ruhende Verkehr – teils wild parkende Autos – zöge die Blicke auf sich, die Gestaltung sei zweckdienlich. In den Entwürfen steht dagegen das Renaissanceschloss mehr im Fokus. Um das zu erreichen, möchte Stern die Durchfahrtsstraße vom Gebäude abrücken und die Parkflächen im nordöstlichen Teil der Anlage bündeln. Die Vorgabe, dass der Schlosshof weiterhin durchfahren werden kann, wurde berücksichtigt. Dies hatten zahlreiche Bürger 2015 nach der Vorstellung des ersten Konzepts zur Umgestaltung gefordert. Damals sollte auf die Durchfahrt verzichtet werden.

Entwürfe orientieren sich am Baustil der Renaissance

Hauptaugenmerk habe sie auf die Gliederung des Vorplatzes gelegt. Orientiert habe sie sich am Baustil der Renaissance, der von Symmetrie, Geometrie, Halbkreisen, Dreiecksformen und Harmonie geprägt war. Herausgekommen sind zwei gänzlich verschiedene Entwürfe. Stern: "Die Varianten haben unterschiedliche Wirkungen auf das Erscheinungsbild."

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Die erste Variante hat eine streng geometrische Form. Beide Plätze – vor dem Schloss und vor der Schule – bilden eine Einheit. Die Straße ist in Richtung der Schlossmauer verschoben und rückt dadurch etwas aus dem Blickfeld. Vor dem Schloss ist eine Grünfläche vorgesehen. Die Zufahrt zur Schule bleibt gerade. Variante zwei ist halbkreisförmig aufgebaut. Im Zentrum steht der Vorplatz des Schlosses, die Naturbühne vor der Schule wird zum Nebenschauplatz.

Ortsvorsteher Michael Hartmann favorisierte die rechteckige Variante. "Die Quadrate bilden das Schloss besser ab", sagte er. Besonderen Wert legt Hartmann auf eine optische Trennung zwischen Schloss und Schule: "Es sind zwei Plätze, die nichts miteinander zu tun haben." Eine geschwungene Straße in Richtung Schule sei wünschenswert, da dort vor allem Eltern, die ihre Kinder in der Schule abliefern, oft schnell unterwegs seien, so der Ortsvorsteher.

Günter Ackermann (Freie Liste) dagegen fehlte bei beiden Varianten "die Symmetrie zum Schloss". "Nicht ganz glücklich" sei er zudem mit der angedachten Durchfahrt, die seiner Ansicht nach für Lastwagen problematisch sei. Er plädierte dafür, dass Straße und Vorplatz auf einem Niveau liegen, um mehr Fläche für Veranstaltungen zu haben. Um die Sicherheit, beispielsweise von Hochzeitsgesellschaften, zu garantieren, "könnte der Platz temporär für den Verkehr gesperrt werden". Klaus Braun (Bürgerliste) plädierte ebenfalls für eine Freifläche vor dem Schloss. "Dann könnte gefeiert werden und Autos können durchfahren." Zwei bis drei Bäume könnten gepflanzt werden, auf Blumenbeete sollte dagegen verzichtet werden, da diese zu pflegeintensiv seien. Braun kann sich auch einen Durchgang zum Sportplatz vorstellen. Dort könnten Besucher ebenfalls parken.

Auch einige der Zuhörer bringen sich ein

Einige der 15 Zuhörer meldeten sich mit eigenen Vorschlägen zu Wort. So sollte es künftig ausreichend Grünflächen und schattenspendende Bäume geben. Auch einen prominenteren Platz für den Brunnen forderte ein Zuhörer. Einig war man sich, dass der Schlossgarten weiterhin für den Verkehr offenbleiben soll.

Der Auftrag an die Planerin lautete schließlich, ein Konzept zu erstellen, bei dem der Fokus auf dem Schloss liegt. Bei der Gestaltung des Platzes tendierte der Rat zu einer rechteckigen Form, die an die Symmetrie des Gebäudes angelehnt sein soll. Die geschwungene Straßenführung beruhige den Verkehr.

In die Planung kann Kerstin Stern erst einsteigen, wenn das Gelände vermessen ist. Das soll kommende Woche geschehen. Das Konzept will sie im November präsentieren.
Was bisher geschah

Im Herbst 2015 stimmte der Schmieheimer Ortschaftsrat einem Konzept zur Umgestaltung des Schlossgartens für 155 000 Euro zu. Bei diesem Entwurf wäre die Durchfahrt weggefallen. Der Ortschaftsrat befürwortete den Entwurf generell. Die Entscheidung sorgte für erhitzte Gemüter im Dorf: Anwohner kritisierten die Pläne und gründeten im Mai 2016 eine Interessengemeinschaft, die sich für die Durchfahrt einsetzte. Mit Erfolg: Nur eine Woche nach der Gründung stimmten mehr als 100 Bürgerinnen und Bürger gegen die Schließung des Schlossgartens. Insgesamt kamen knapp 270 Unterschriften zusammen. Seit Februar 2017 steht fest: Die Durchfahrt bleibt. Dafür sprach sich der Kippenheimer Gemeinderat mehrheitlich aus. Das Büro Kappis wurde mit der Planung beauftragt.

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Autor: Karl Kovacs