Kirchengemeinde soll Fläche loswerden

Hrvoje Miloslavic

Von Hrvoje Miloslavic

Di, 12. Juni 2018

Wehr

Liegenschaften könnten ab 2025 zum Problem für die evangelischen Kirche werden / Badische Landeskirche schlägt Alarm.

WEHR-ÖFLINGEN. Welchen Bedarf an Gemeinderäumen hat die evangelische Kirchengemeinde Wehr und Öflingen und was möchte sie in den nächsten zehn Jahren nutzen? Hauptthema der jüngsten Gemeindeversammlung am Sonntag unter Beisein von Dekanin Christiane Vogel war das Liegenschaftsprojekt der badischen Landeskirche. Die Kirchengemeinde steht nun vor der Aufgabe, sich über die Reduzierung ihrer Räumlichkeiten ihre Gedanken zu machen.

Die Badische Landeskirche schlägt Alarm: Laut Prognose werden im Jahr 2025 die Ausgaben der Landeskirche die Einnahmen übersteigen. Bereits 2014 ist auf der Landessynode das Liegenschaftsprojekt als Element der Gegensteuerung ins Leben gerufen worden. Im Kern hat dieses zum Ziel, die finanzielle Belastung von Gemeinden durch veraltete oder wenig genutzte Gebäudebestände zu reduzieren.

Gebäudeflächen werden reduziert
In einem Masterplan wird den Gemeinden eine von der Mitgliederzahl abhängige Gemeindehausfläche zugewiesen und festlegt, welche Gebäude und Räumlichkeiten für die lokale Kirchenarbeit elementar sind und damit künftig noch in den Genuss von Finanzmitteln der Landeskirche kommen können. Über diesen Masterplan wird der Kirchenbezirksrat Hochrhein am 11. September entscheiden. Bis zum 29. September wird dieser der evangelischen Landeskirche vorliegen. Nicht betroffen vom Liegenschaftsprojekt sind Kirchen und Pfarrhäuser.

220 Quadratmeter zu viel
Eine Erhebung durch die Kirchenbaugesellschaft Prokiba hätte dabei "Kapazitätsreserven" für die Kirchengemeinde Wehr und Öflingen festgestellt, informierte Kirchengemeinderat Karl-Wilhelm Frommeyer. Insgesamt befände sich die Kirchengemeinde mit einem Anteil von 644 Quadratmetern, gemessen an der Gemeindemitgliederzahl, 220 Quadratmeter über dem von der Landeskirche festgesetzten Soll – das heißt mehr als ein Drittel der Fläche könnte in Zukunft möglicherweise nicht mehr durch Finanzmittel der Landeskirche unterstützt werden. Da gerade für die Gemeinderäume in der Holbeinstraße eine sehr geringe Nutzung gegeben sei, so Frommeyer weiter, mache es Sinn, "mit der Reduzierung der Räumlichkeiten in Öflingen anzusetzen".

Mit der Frage, wie eine solche Reduzierung oder – alternativ – kosteneffektivere Nutzung aussehen könnte, hat sich bereits eine aus Lisa Rotzler, Bernt Kesper, Pfarrer Peter Hasenbrink, Lutz Jacobi und Karl-Wilhelm Frommeyer bestehende Lenkungsgruppe beschäftigt.
Viele Varianten einer Lösung
Eine sehr unterschiedliche Bewertung der Umsetzbarkeit erfuhren dabei die in der Versammlung vorgestellten Varianten, die von der Stilllegung oder Vermietung des Untergeschosses in der Holbeinstraße bis zum Verkauf von Kirche und Pfarrhaus an die Diakonie oder die Stadt Wehr reichen. Zu bedenken gab Frommeyer, dass bei Lösungen immer auch Bedarf und Kapazitäten möglicher Kooperationspartner, wie der Diakonie oder der katholischen Seelsorgeeinheit, zu berücksichtige seien.

Auflösung des Kirchenstandortes
"Morgen werden nicht die Bagger rollen", beruhigte Christina Vogel. In ihren Ausführungen zeigt sich die Dekanin allerdings bemüht, auch radikalere Lösungen bis hin zur Auflösung des Kirchenstandortes in der Holbeinstraße nicht undenkbar erscheinen zu lassen. Sehr gute Erfahrung hätte die Kirchengemeinde in Görwihl gemacht, die sich von ihrem überdimensionierten und kostenintensiven Gemeindezentrum getrennt und in einem ehemaligen Geschäftsraum in der Ortsmitte eine angemessene Kapelle eingerichtet hätte. Für derartige Neuansiedelung stellte Vogel "grünes Licht aus Karlsruhe" sowie entsprechende Zuschussbereitschaft der Landeskirche in Aussicht.

Dieser sei keinesfalls daran gelegen, "die Gemeinden zu beschneiden", stellte die Dekanin klar. Ganz im Gegenteil: Die Optimierung des Gebäudeplans und eine gute Lenkung von Finanzströmen seien gerade dazu angetan, Gelder freizumachen und das Leben in den Kirchengemeinden zu beleben, so Vogel.