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09. Januar 2012
Abstand vom stressigen Alltag finden
In Wittental trifft sich regelmäßig ein Kreis von Interessierten zum Meditieren / 25 Minuten lang bewusst Schweigen.
STEGEN-WITTENTAL. Sechs Frauen und fünf Männer haben sich niedergelassen. Sie sind im Alter zwischen 22 und 70 Jahren. Konzentriert. Mit den Augen zur Wand. Die Meisten im Lotussitz. Manche auf einem Schemel. In der Mitte des Raumes flackert eine Kerze. Ab und zu knurrt ein Magen. Ansonsten ist es still. Die ZEN-Sitzmeditation im ehemaligen Wohngebäude des Grundschullehrers von Wittental hat begonnen.
Unter der Leitung von Steve Fenning, Chef eines mittelständischen Betriebes in Kirchzarten, trifft sich regelmäßig ein Kreis von Interessierten zum Meditieren im Zentrum Wittental. Ein- bis zweimal in der Woche kommen die Meisten. Die Bezeichnung "Guru" weist ZEN-Lehrer Fenning weit von sich. "ZEN-Lehrer sind Bergführer. Selbst erfolgreich den Weg gegangen, begleiten sie jetzt andere beim Beschreiten ihres Weges", so umschreibt Fenning seine Funktion als Unterstützer und Wegweiser, der er einen Teil seiner Freizeit widmet. Ohne Geld dafür zu nehmen. Aus Idealismus und Überzeugung. Das A und O sei die Konzentration auf das "Hier und Jetzt", erklärt er Neulingen, die sich in einem Vorgespräch mit dem Ablauf der immer gleichen Zeremonie vertraut machen wollen. Durch die Hektik des Alltages, nicht selten verbunden mit Anforderungen in Beruf, Partnerschaft und Kindererziehung, komme dem Augenblick eine wachsende Bedeutung zu. "Wenn man sich ohne Ablenkung ganz auf die jeweilige Situation konzentriert, dann bekommt der Moment eine ganz andere Qualität", sagt Fenning.Werbung
Eine Aufgabe besteht darin, 25 Minuten lang bewusst zu schweigen. Und während dieser Zeit die volle Konzentration auf das Atmen zu lenken. Und dem damit verbundenen Heben und Senken des Brustkorbes. Damit es gelingt, "den Weg der inneren Achtsamkeit" in das tägliche Leben zu integrieren, sei Meditieren in der Praxis des ZEN eine verhältnismäßig leicht zu bewältigende Alltagshilfe. Nach einigen Sitzungen würden die leicht zu lernenden Übungen in Fleisch und Blut übergehen, so Fenning.
Eigene positive Erfahrungen bestätigt eine 48-jährige selbständige Übersetzerin aus Stegen, Mutter von vier Kindern und voll berufstätig. Durch Meditieren zwei Mal in der Woche gelingt es ihr, Abstand vom stressigen Alltag zu finden und Kraft für Neues zu tanken. "Normal christlich erzogen kommt mir die spirituelle Komponente der Sitzungen entgegen. Hier bekomme ich wieder Luft. Angestautes vom Tag fällt ab", so ihre Beobachtung.
Geübt wird sogenanntes "Zazen" (eine Sitzmeditation) in zwei bis drei Zyklen mit jeweils 25 Minuten, unterbrochen durch Kinhin, das langsame meditative Gehen. Damit das Sitzen korrekt ausgeführt wird, wird vor der ersten Teilnahme das Erlernen der korrekten aufrechten Sitzhaltung eingeübt. Während des Einführungsgespräches besteht auch die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
Das Mediationszentrum in Wittental wird derzeit von annähernd 40 Männern und Frauen im Alter zwischen 20 und 70 Jahren besucht. Der nicht kommerzielle Kreis von Interessierten ist an keine Konfession oder gar Sekte gebunden. Um die Kosten für Strom, Wasser und Heizung für das überlassene Gebäude aufbringen zu können, bezahlt jeder Teilnehmer einen monatlichen Beitrag von 10 Euro.
Autor: Andreas Peikert


