Betagte Boygroup rockt den Saal

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Fr, 03. November 2017

Kirchzarten

Benefizkonzert von "Öl des Südens" in der Talvogtei in Kirchzarten.

KIRCHZARTEN. Zehn Jahre besteht sie nun, die Wohngemeinschaft von an Demenz erkrankten Menschen, die in dem restaurierten Birkenhof unter Betreuung zusammen wohnen. Nach zehn Jahren ist einiges an der Grundausstattung erneuerungsbedürftig und die Dreisam-Kleinkunstbühne Burg konnte das in der gesamten Region bekannte A-capella-Quintett "Öl des Südens" für ein Benefizkonzert in der Großen Stube der Talvogtei gewinnen, dessen Erlös dem genannten Zweck zu Gute kommt.

Die Birkenhof-WG ist eines der alternativen Wohn- und Pflegemodelle des Vereins Labyrinth. Orientiert an ihren individuellen Bedürfnissen erhalten die Bewohner so viel Pflege, wie jeweils nötig. Die möglichst weitgehende Selbständigkeit wird dabei stets gefördert und alle können selbst entscheiden, wann sie sich in ihre Einzelzimmer zurückziehen möchten, oder am Gemeinschaftsleben in den großzügigen Gemeinschaftsräumen teilnehmen wollen.

Der Andrang beim Benefizkonzert in der Talvogtei war groß, es wurden zusätzliche Stühle benötigt. Durch die engen Wege bahnten sich die in festliche Abendgarderobe mit Leibbinden und schrägen Krawatten gewandeten fünf Galane unter mehrstimmigem Improvisationsgesang den Weg zur Bühne und wandten sich sofort an ihre Hauptzielgruppe: "Buona sera, Signorina, buona sera", einstiger Hit von Rocco Granata, erklang voller Schmalz, aber gekonnt im mehrstimmigen eigenen Arrangement. Gleich hier wurde deutlich, dass alle ihr Handwerk gründlich verstanden. Vom tiefsten Bass bis zu höchsten Kopfstimmtönen wechselten alle fünf permanent durch die Stimmlagen, so wie es die Bearbeitung erforderte und es sich für die ausgeklügelt witzige Choreografie anbot.

Alles wirkte leicht, sicher und höchst unterhaltsam, wie es nur durch viel Übung, großes Können und kongeniales Verständnis für und Eingehen auf den Partner möglich ist. Dies tun die fünf seit mehr als 30 Jahren und dass sie dabei ihren Spaß nicht verloren haben, merkt man in jeder Sekunde. Natürlich bedienten sich die ehemaligen Lehrer, der Rechtsanwalt und der Psychologe auch bei den Comedian Harmonists, denn deren leicht frivole Lieder passen auch zu der nach eigenem Bekunden breitgefächerten musico-erotischen Erfahrung der in die Jahre gekommenen Boygroup. Doch einfach covern gibt’s es bei den Ölprinzen nicht. Sie vereinen den "Kleinen grünen Kaktus", die "Schöne Isabella aus Kastilien" und "Veronika, der Lenz ist da" zu einem Potpourri, schütteln die Texte und Melodien geschickt durcheinander und zeigen so mit ihren speziellen Talenten ihre Wertschätzung für die legendäre Gruppe.

Die drei Schwaben der Gruppe lieferten zur Gaudi des Publikums mit "Yeschderdäh" eine idiomatisch gefärbte Version von Paul McCartneys Welthit. Weitere "ölige" Highlights folgten mit den Caprifischern oder der Feststellung "Küssen kann man nicht alleine". Dass sie alle Facetten des mehrstimmigen Chorgesangs beherrschen, bewies das Quintett mit einer Gesangsversion des unsterblichen Swing-Titels "In the mood" von Glenn Miller. Bis in die stimmlich parodierten Instrumental-Soli zauberten die fünf Sänger veritables Big-Band-Feeling aus ihren Kehlen. Und sie zeigten es auch den Jungen: Ein rockiges "Tutti Frutti", wobei sie sich allerdings die Verrenkungen von King Elvis tunlichst ersparten und ein gerapptes Ende von dem anfangs braven "The shadow of your smile" erzeugten Jubelrufe im Publikum.

Natürlich durfte schalkhafter Machismo nicht fehlen und sie verpackten den unverschämten Text "Du bist nicht die erste, du musst schon verzeihn, aber meine letzte, die könntest du sein" derart schmalzig, dass er wie ein entrückter Liebesschwur klang. Ein Hauptspaß dann die "Geographical Fugue", ein Sprechgesang von Ernst Toch aus den dreißiger Jahren. In atemberaubendem Rhythmus jagten die fünf Sänger Begriffe wie Trinidad, Mississippi, Titicaca und Popocatepetl in einem gesprochenen Feuerwerk durch alle Sprech-Stimmlagen. Große Klasse!

Am Schluss stand eine eigene Aufbereitung von Udo Jürgens "Merci, Chérie" und dem schloss sich seinerseits der Verein Labyrinth für die großzügigen Spenden an.