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15. November 2017

"Das war schon eine Schinderei"

"Kirchzartener K’schichten" beleuchten den Generationswechsel.

  1. Markus und Rita Schlegel, Werner und Julien Hummel, Matthäus und Norbert Steinhauser (von links) erzählen dem Publikum viele amüsante „K’schichten“. Foto: Louis Gross

KIRCHZARTEN. In die achte Runde gingen die "Kirchzartener K’schichten" im Bürgersaal der Talvogteischeune. Zum Thema "Die nächste Generation ist dran" warteten Vertreter von alteingesessenen Kirchzartener Unternehmen mit ihren Anekdoten auf. Unter der Moderation von Gerhard Lück berichteten Rita und Markus Schlegel vom Autohaus Wunderle, Busunternehmer Werner und Julien Hummel sowie die im Baugeschäft tätigen Matthäus und Norbert Steinhäuser über das Aufbauen, Hineinwachsen und Loslassen können.

Zu Zeiten der Aufnahme wären die Fotografien, die im Bürgersaal der Talvogteischeune zu sehen waren, vermutlich noch mit einem Diaprojektor an die Wand geworfen worden. An diesem Abend wurden die Schwarz-Weiß-Bilder vom Busunternehmen Hummel bequem per Computer und Beamer projiziert. "Höllental-Express" stand auf einem der heute historischen Busse, die im Hintergrund abgelichtet wurden, während Werner Hummel erzählte: "Jeden Samstag haben wir die Sitzbänke auf die Lastzüge geschraubt. Am Sonntag waren die Ausflüge." Unter der Woche seien die Lkw für den Transport von Holz und anderen Baustoffen genutzt worden. So sei es losgegangen mit dem Personenverkehr, beschrieb der 79-Jährige, der – seit er den Führerschein besitzt – mehr als fünf Millionen Kilometer mit dem Bus zurückgelegt hat. Dass sich Moderator Gerhard Lück nach den Sicherheitsvorschriften zu jener Zeit erkundigte, überhörte Hummel geflissentlich, jedoch mit einem Lächeln.

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Auch Matthäus Steinhäuser erinnerte sich noch gut an die Anfänge. "Das war schon eine Schinderei", sagte er und lachte. Damals hätte der Sack Zement noch 50 Kilo gewogen – heute seien die ja leicht, erzählte der 80-Jährige schmunzelnd. Um fünf Uhr aufstehen und bis abends um halb sechs auf der Baustelle sein – keine Seltenheit. "Doch war es auch eine schöne Zeit", wie Steinhäuser im Nachhinein feststellte.

Baukran mit gefälschter Unterschrift bestellt

Eine "K’schichte" gab er dann noch zum Besten: Für ein großes Projekt wollte Steinhäuser einen Kran anschaffen. Sein Vater, zu der Zeit Geschäftsführer, war dagegen. "Was ist das denn?", habe sein Vater aufgebracht gefragt und in Richtung des riesigen Baukrans gezeigt, der von der Straße her angeliefert wurde. Steinhäuser hatte die Bestellung sechs Wochen zuvor in Auftrag gegeben – mit der gefälschten Unterschrift seines Vaters. Das kam gut an bei den 130 Besuchern, die sich im Laufe des Abends über viele weitere Anekdoten amüsieren konnten.

Im zweiten Teil des gut zweistündigen Programms ging es um den Übergang zur jüngeren Generation. "Damals hatte man keine andere Wahl, als ins Familienunternehmen einzusteigen", sagte Markus Schlegel, der mittlerweile seit 20 Jahren das Geschäft im Autohaus Wunderle führt. Von klein auf sei er in die Aufgabe hineingewachsen. Auch für Julien Hummel (35) war der Mittagstisch immer "Segen und Fluch zugleich". Trennung zwischen Privatleben und Arbeit in der Familie gebe es keine. "Als unsere Väter die Firmen übernahmen, waren die Zeiten andere", erklärte Hummel. "Wir sind behüteter aufgewachsen. Es gab keine Not". Als sein Vater einstieg, habe das Unternehmen zwei bis drei Lkw besessen. "Bei mir gab es zehn Omnibusse", berichtete Hummel. "Da ist es schon auch mal nötig, dass die ältere Generation einen ein bisschen bremst." Insgesamt ergebe dies, seiner Meinung nach, dann eine gesunde Mischung.

Für die Steinhausers stand bei der Übergabe des Betriebs eine Frage besonders im Mittelpunkt. "Wo ist der künftige Platz vom Vater?", wie Norbert Steinhauser berichtete. Natürlich seien da auch Punkte, bei denen es Reibungen gegeben habe, sagt der 54-Jährige. "Aber unter Kerle bekommt man am Ende immer alles geregelt", erzählte er und beide lachten. Untätig sind die drei Senioren trotz der Übergabe ihrer Firma an die jüngere Generation aber nicht. Steinhauser besichtigt von Zeit zu Zeit noch persönlich die Baustellen, Hummel beschäftigt sich mit Oldtimer-Bussen, und Rita Schlegel, die mit 78 Jahren sogar noch im Geschäft mitarbeitet, beschrieb treffend: "Die Jungen machen es gut, aber ich könnte nicht in der Stube sitzen und nichts tun."

So endete ein heiterer Abend in der Talvogteischeune, bei dem Julien Hummel mit Blick auf die Zukunft zusammenfassend sagte: "Ein Traum wäre es, es genauso gut zu machen wie unsere Eltern, damit wir in vielen Jahren ebenso stolz unseren Betrieb übergeben können."

Autor: Louis Groß