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12. Juli 2011

Der Osterbach liefert jetzt Strom

Kleines Wasserkraftwerk nahe des Schulzentrums Kirchzarten in Betrieb genommen / Bürokratische Hürden verzögerten das Projekt.

  1. Erste Besichtigung nach der Inbetriebnahme: An diesem Rechen werden Blätter und anderer Unrat abgefischt. Foto: Andreas Peikert

  2. Bei der Einweihung nutzten Interessierte die Gelegenheit, sich technische Details erklären zu lassen. Foto: Andreas Peikert

KIRCHZARTEN. Von Wind, Sonne und Wasser erzeugter Strom gewinnt zunehmend an Bedeutung. Über 100 Interessierte kamen am Samstag an den Osterbach, um bei der offiziellen Inbetriebnahme eines kleinen Wasserkraftwerks dabei zu sein. Greenpeace-Aktivisten, Technik-Freaks, Politiker und interessierte Bürger aus der Region nutzten die Gelegenheit, um sich vor Ort die Funktion einer solchen Anlage erklären zu lassen.

In seiner humorvollen Begrüßung erinnerte Grundstückseigentümer Nikolaus von Gayling an die zahlreichen bürokratischen Hürden, die den Baubeginn immer wieder verzögerten. Betreiber Herbert Kaiser schilderte, wie er in Rohrstiefeln mit Ex-Bürgermeister Georg-Wilhelm von Oppen und dem früheren Landtagsabgeordneten Klaus Schüle auf der Suche dem idealen Standort die Ufer von Brugga und Osterbach abgelaufen ist.

Mit einem symbolischen Mini-Windrad beglückwünschte Gerd Schütt vom neben dem Einlaufbauwerk gelegenen Segelflugverein die Betreiber und bedankte sich für die kürzlich unterzeichnete Verlängerung des Pachtvertrages um weitere 25 Jahre. Weil Bürgermeister Andreas Hall zur selben Stunde mit seiner Familie von Freiburg nach Kirchzarten zog, beglückwünschte sein Stellvertreter Franz Kromer die Bauherren für ihre umweltfreundliche Anlage. Er ließ anklingen, dass in absehbarer Zeit im Ortsteil Dietenbach ein weiteres Wasserkraftwerk ans Netz gehen wird.

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Projektleiter Dirk Maier wies darauf hin, dass die aus Naturstein gefertigte Fischtreppe den Tieren die Überwindung eines Gefälles von etwa drei Metern ermöglicht. 8000 Quadratmeter Mutterboden wurden bewegt, 1000 Quadratmeter Fahrbahnbelag mussten in der sechsmonatigen Bauzeit aufgebrochen und erneuert werden. Damit ähnliche Vorhaben in Zukunft deutlich schneller realisiert werden, versprach der Grünen-Landtagsabgeordnete Reinhold Pix eine Änderung des Planungsgesetzes durch die grün-rote Landesregierung.

Erhard Schulz, Sprecher der badisch-elsässischen Bürgerinitiativen verdeutlichte, das dass vor allem ortsansässige Handwerker von der Umstellung auf regenerative Energiearten profitieren werden.Als großen Erfolg der Umweltbewegung wertete Hans-Dieter Stürmer vom Freiburger Umweltchemie-Institut den kürzlich vom Bundestag beschlossenen Verzicht auf Atomkraftwerke. Über dreißig Jahre lang hatte sich der ehemalige Grünen-Landtagsabgeordnete für den Umstieg auf umweltfreundliche Energiequellen eingesetzt.

"Gleichmäßiger Niederschlag ist besser als zu viel oder zu wenig", meinte Bernhard Kaiser während einer Führung im Turbinenhaus an der Buswendeschleife des Schulzentrums. Weil zu wenig Wasser im Osterbach plätschert, konnte der leise wummernde Generator am Samstagmittag nur für wenige Minuten angeworfen werden.

Im Anschluss an die offizielle Einweihung trafen sich geladene Gäste zum Gedankenaustausch in der Pizzeria beim Sportstadion. Dabei sagte Andreas Markowsky von der Freiburger Öko-Stromgruppe, das der Umbau der Energiewirtschaft so rasch wie möglich umgesetzt werden müsse. Geänderte politische Rahmenbedingungen und ein gesellschaftlicher Konsens seien die Voraussetzung, damit der Wandel konsequent vollzogen werden kann.

Der in Kirchzarten wohnende Fachmann für Windenergie bedauerte, dass in der Regierungszeit von Erwin Teufel etliche Gegner der alternativen Stromgewinnung nicht vor "Horrorszenarien" zurückschreckten. Er behauptete, dass als Tourist verkleidete Gegner der Umweltbewegung an Windkraft-Standorten kurz vor dem Besuch von Fernseh-Teams tote Fledermäuse ausgelegt hätten. "Pro Anlage und Jahr gibt es normalerweise zwei tote Fledermäuse, mehr nicht", so Markowksy.

Autor: Andreas Peikert