Hilfsprojekt

Die Fahrradwerkstatt des Flüchtlingshelferkreises in Kirchzarten hilft jetzt international

Gerhard Lück

Von Gerhard Lück

Mi, 01. Februar 2017

Kirchzarten

Der Flüchtlingshelferkreis in Kirchzarten richtet alte Fahrräder für Flüchtlinge her. Weil dort die Flüchtlingszahlen rückläufig sind, verschicken die Helfer jetzt einige ihrer Fahrräder nach Burkina Faso und die Ukraine - als Hilfe zur Selbsthilfe.

KIRCHZARTEN. Fünf ehrenamtliche Mitarbeiter der Fahrradwerkstatt des Flüchtlingshelferkreises treffen sich seit Mitte 2015 jeden Dienstagmorgen in der ehemaligen Expressguthalle am Bahnhof Kirchzarten, um die von der Bevölkerung abgegebenen gebrauchten Fahrräder zu reparieren und sie günstig an Flüchtlinge weiterzugeben. Mit nicht abgeholten Fundfahrrädern unterstützt sie dabei auch die Gemeinde Kirchzarten. Mit viel technischem Engagement sind inzwischen rund 350 Fahrräder wieder funktionsfähig gemacht worden.

Angesichts der rückläufigen Flüchtlingszahlen in Kirchzarten haben sich die Fahrradexperten nun entschlossen, mit den von ihnen hergerichteten Bikes, die hier vor Ort nicht gebraucht werden, international zu helfen.

Bereits Mitte Dezember wurden 25 Räder sowie Ersatzteile an eine private Initiative nach Freiburg geliefert, die sie weiter nach Burkina Faso in Westafrika schickte. Dort kommen sie in eine Lehrwerkstätte für Jugendliche, die so eine technische Ausbildung erfahren. "Wir möchten in Zukunft halbjährlich Fahrräder von Kirchzarten nach Afrika schicken", erklärt Eckard Lötzsch vom Helferkreis. "Das ist eine gute Hilfe zur Selbsthilfe."

In der letzten Woche ging eine weitere Hilfslieferung von zehn Fahrrädern mit Ersatzteilen ans "S’Einlädele", eine gemeinnützige Gesellschaft für Mission und Seelsorge in Freiburg. Diese soziale Einrichtung leitet die Fahrräder in die Ukraine weiter. Hier sind sie in einem Tageszentrum für behinderte Kinder und ihre Eltern in der Nähe von Kiew eine große Hilfe bei der Alltagsbewältigung. Außerdem werden vier Familien in der Nähe von Charkov, die 31 Pflegekinder aufgenommen haben, mit Rädern versorgt. Die Einrichtung einer Fahrradwerkstatt dort soll langfristig ein eigenes Einkommen der Familien sichern. "Wir können deshalb auch Räder oder Ersatzteile dorthin liefern", verrät Lötzsch, "die wir hier nicht mehr verwerten können. Dort helfen sie zu Arbeit und Verdienst."

Über gebrauchte und reparaturbedürftige Fahrradspenden freuen sich die Mitarbeiter der Fahrradwerkstatt des Flüchtlingshelferkreises auch in Zukunft. "Ein gebrauchtes Fahrrad kam jetzt mit Hermes-Versand aus Hamburg", erzählt Karl-Rainer Nippes, "der Spender hatte von uns in der Zeitung gelesen und wollte etwas Gutes tun." Aber auch Ersatzteile für Fahrräder werden gerne entgegengenommen: "Die geben wir dann auch dorthin, wo sie gebraucht werden." Mit der Gemeinde Kirchzarten sei man im Gespräch für eine weitere Lagermöglichkeit der Fahrräder und Ersatzteile: "Ein Materialcontainer wäre für unsere Arbeit nicht schlecht."