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29. August 2009
Ein Lehmofen für das Schülerhaus
Die Kinder, die ihn bauten, haben in vier Tagen nicht nur das Ofenbauen erlernt, sondern auch Werte vermittelt bekommen
KIRCHZARTEN. Elf Mädchen und Jungen im Alter von neun bis zwölf Jahren haben im Rahmen des Ferienprogrammes der Gemeinde Kirchzarten einen Lehmofen für das Schülerhaus erbaut. Geleitet wurde das Ganze von Gudrun Janoschka, die sich schon seit Jahren sozialpädagogisch mit dem Naturhaus "Einfach Leben" für soziale Projekte in diesem Bereich einsetzt.
"Die Kinder sollen im Vordergrund stehen und selbst alles mitentscheiden; das letzte Wort aber haben wir", so stellte die Ökopädagogin Gudrun Janoschka (53) das Verhältnis zwischen den Leiterinnen und den Kindern dar. An ihrer Seite war während der vier Tage des Projektes "Lehmofen bauen" die 25-jährige kommunale Jugendreferentin Natalia-Anna Rozpiorska, die die Arbeit der Kinder nicht nur betreute, sondern auch selbst mit zupackte.Begonnen hatte das Unterfangen mit dem vagen Ziel, einen Lehmofen ohne Kostenaufwand und nur durch Eigenarbeit zu errichten. Dinge wie Ofentüren oder Backbleche sollten entweder vom Recyclinghof geholt oder von Privatpersonen gesponsert werden.
Deshalb ging es am Montagmorgen um 10 Uhr für die elf Kinder, die sich für das Do-it-yourself-Programm eingeschrieben hatten, tatkräftig los. Zunächst setzte man sich zusammen und lernte sich kennen. In immer neuen Arbeitsgruppen wurde das Vorhaben umgesetzt mit dem Ziel, am Donnerstagabend gemeinsam mit den Familien die erste eigene Pizza im eigenen Lehmofen zu backen und verzehren zu können.
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Eine Gruppe marschierte zu Beginn mit Pickel und Eimern an den nahe gelegenen Osterbach, um dort Lehm aus dem knietiefen Wasser abzutragen, das wiederum in gefüllten Eimern zurück in den Garten des Schülerhauses transportiert wurde. "Das war für mich das Schönste an den vier Tagen, obwohl ich danach beim Eimerwaschen noch in den Bach gefallen bin", meinte der zehnjährige David, während die anderen Kinder um ihn herum vergnügt grinsten und sich ein Lachen nicht verkneifen konnten.
Ein anderes Team ging auf die Suche nach Sand und Kies, die mit dem Lehm vermischt werden sollten. Die nach der anstrengenden Arbeit knurrenden Mägen der Kinder wurden mit einem selbst mitgebrachtem Vesper gefüllt.
Für die Erwachsenen standen vor allem die Selbstbeteiligung der Kinder und deren Erfahrungen im Bereich einfach Leben im Vordergrund. So wurden an den folgenden Tagen gemeinsam Maiskolben, Kartoffeln mit Quark, Kartoffel-/Nudelsalat und auch Popcorn für das Essen bereitet.
Aber auch die Erbauer werden, wenn sie einmal an eine der Schulen kommen, ihr eigenes Werk bestaunen können. Doch zunächst mussten diese erst einmal ein Fundament bauen, wie Gudrun Janoschka erklärte, damit der Ofen in Zukunft auch gerade stehen würde. Dann erst konnte die erste von drei Lehmschichten aufgetragen werden, die auch "Lehm- und Sandschicht" genannt wird und die vor allem die Wärme im Ofen speichern soll. "Sie haben das Stampfen vom Lehm davor aber noch vergessen" wurde die Ökopädagogin von einem der aufmerksam zuhörenden Kinder belehrt, das speziell dafür eine große Passion entwickelt hatte.
"Danach kam eine Schicht Strohlehm obendrauf, deren Zweck es ist, die Hitze im Ofen zu isolieren", berichtete die 53-Jährige weiter. Vor allem beim Auftragen dieser Lehmschichten hatten viele der Kinder den meisten Spaß. "Das Kneten von den Lehmbällen und dann das laute Draufklatschen war für mich am tollsten", meinte Nikolas, der am Mittwoch mit der ganzen Gruppe seinen 12. Geburtstag feierte und mit einigen Gutscheinen inklusive eines obligatorischen kerzenbestückten Lehmkuchens beschenkt wurde.
Aber außer der Freude an der Arbeit sei auch die Gemeinschaft der Gruppe in den vier Tagen unheimlich gewachsen, bemerkte Natalia-Anna Razpiorska: "Viele der Kinder haben sich am Anfang noch gar nicht gekannt und es haben sich mittlerweile ganz viele neue Freundschaften entwickelt."
Damit waren auch David und Finn gemeint, die gemeinsam am dritten Tag Kuhfladen besorgen mussten, um diese in die äußerste Schicht mit einzuarbeiten. Finn kommentierte: "Für mich ist das nicht schlimm. Mein Vater hat selbst einen Bauernhof, deswegen bin ich das gewohnt." Scheinbar waren die Kinder es auch gewohnt, sich immer an neue Situationen anzupassen: So haben sie zum Beispiel, als beim Essen das Besteck fehlte, spontan adäquates Werkzeug aus Holz geschnitzt und es auch sofort benutzt, berichtet die Jugendreferentin stolz.
In den allabendlichen Besprechungen um 17 Uhr hatten die Kinder immer zusätzlich die Möglichkeit zu sagen, was ihnen gefällt und was man verbessern könnte. Das sei für das Pädagogische, so Gudrun Janoschka, sehr wichtig.
Mit dem Ziel zu sparen, was für sie vor allem in Zeiten von schweren Wirtschaftskrisen ein wichtiger zu vermittelnder Wert sei, hat die ehemalige Therapeutin auch schon andere Projekte realisiert, wie zum Beispiel "Leben wie die Schwarzwaldindianer vor 400 Jahren". Dabei musste eine Gruppe auf der Hammerlochhütte mit zuvor gekauften Materialien eine Woche lang – von der Außenwelt gänzlich abgeriegelt – auskommen. Das war übrigens auch ein Programmpunkt der Kirchzartener Sommerferien 2009 und dort gibt es ebenfalls einen Lehmofen.
Nachdem der Ofen bei durchweg traumhaftem Wetter und drückender Hitze fertiggestellt war, gab es dann auch das erste gemeinsame Pizzaessen.
Autor: Felix Jehle
