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25. August 2016

Leute im Landkreis

Karel Spanhak: „Jede Produktion fasziniert aufs Neue“

BZ-SERIE: Karel Spanhak aus Kirchzarten ist international ausgezeichneter Bühnenbildner.

  1. Karel Spanhak Foto: Enya Steinbrecher

BREISGAU-HOCHSCHWARZWALD. Karel Spanhak ist in seinem Beruf schon viel herumgekommen. Der 1945 geborene Niederländer lebt seit dem Jahr 2000 in Kirchzarten. Aufgrund der vielen Produktionen im deutschsprachigen Raum ist er hier hergezogen, er ist aber auch über die Landesgrenzen hinaus engagiert. Für den Beruf des Bühnen- und Kostümbildners hat er sich schon früh begeistert. Mit vier Jahren sah er eine Vorführung des Stücks Peterchens Mondfahrt. "Fasziniert hat mich damals vor allem das Auftauchen und wieder verschwinden der einzelnen Bühnenelemente", so Spanhak. "Hier ging eine Klappe auf, dort wurden neue Wände hereingeschoben und auf einmal befand man sich in einer völlig neuen Szene." Für einen Vierjährigen war das schwer zu erfassen. "Geblieben sind in meinem Kopf vor allem die bunten Bilder und der Einfallsreichtum", sagt er. Heute hat der Siebzigjährige bereits selbst mehrere Aufführungen dieses Stückes mitgestaltet.

Während seiner Ausbildung an der Kunstakademie Amsterdam wurde er im Wunsch, seinen Traumberuf zu ergreifen, noch bestätigt. Ihn beeindruckte die Vielschichtigkeit der Arbeit, das künstlerische, aber auch das technische Denken. Alles muss letzten Endes auch umsetzbar und nicht völlig abstrakt sein.

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"Es macht mir Spaß, in verschiedenen Sparten zu arbeiten", erklärt er. "Mal im Musical, dann in der Oper und wieder im Theater. Man lernt die unterschiedlichsten Menschen kennen und ist nie an einem Platz." Auch das viele Reisen macht den Beruf für ihn attraktiv. Durch seine Produktionen war er schon in großen Teilen Deutschlands unterwegs, aber auch in Wien, St. Gallen und Luxemburg. In Erinnerung geblieben sind ihm dabei vor allem die Kostüme des Musicals "Les Misérables" 2016 in Ötigheim. Dafür musste der gelernte Kostümbildner mehr als zweihundert verschiedene Gewänder entwerfen.

Auch die Produktion der Oper "Orpheus oder die wundersame Beständigkeit der Liebe" in Freiburg war etwas Besonderes. Als damaliger Ausstattungsleiter hatte er Spaß daran, das Auge des Zuschauers zu täuschen und Illusionen zu erzeugen. Als erwähnenswert nennt er hier eine zehn mal zehn Meter große Steinwand, die ohne Stütze frei über der Bühne zu schweben schien.

Auch in der neuesten Operette, an der er mitwirkt, entstehen und verschwinden Teile des Bühnenbilds mit seiner Hilfe. "Der Vogelhändler" ist eine Operette von Carl Zeller, die am 9. September bei den Staufer Festspielen in Göppingen Premiere feiern wird.

Schon seit zehn Jahren ist Karel Spanhak Mitwirkender bei den Staufer Festspielen. Von Anfang an war er dabei – gehalten hat ihn die Arbeit mit den ausgebildeten Schauspielern, die sich mit Amateurdarstellern zusammentun. Vor allem jedoch gefällt ihm das Gefühl der "Festspielfamilie", in der vieles von den freiwilligen Helfern umgesetzt wird. Auch die Besucher wissen die liebevolle Arbeit der Freiwilligen zu schätzen – selbst die kulturverwöhnten Stuttgarter kommen für dieses Ereignis in die fünfundvierzig Kilometer entfernte Stadt, berichtet Spanhak.

Als Höhepunkt seiner Karriere bezeichnet er vor allem seine Arbeit an der Volksoper in Wien, aber auch die Auszeichnungen, die er erhalten hat. 2004 wurde er von der Theaterzeitschrift Theater Pur mit dem ersten Platz in der Kategorie Ausstattung für die Oper "Die unendliche Geschichte" geehrt. 2008 folgte der Sonderpreis der Inthega für das Bühnenbild der Schachnovelle. Auch auf seine Mitarbeit beim Musical Aida bei den Thurnerseespielen blickt er mit Stolz zurück. Im Gespräch mit dem Siebzigjährigen wird klar, dass er seinen Traumjob gefunden hat. Jede Produktion ist etwas Besonderes für ihn. "Sie stellt einen vor Herausforderungen und fasziniert von Neuem."

Autor: Enya Steinbrecher