Lampenfieber vor dem Start

Erich Krieger

Von Erich Krieger

Sa, 11. Februar 2017

Kirchzarten

Viele Neulinge kamen zur Fahrerbesprechung des Dreisam-Stromer-Vereins in Kirchzarten.

KIRCHZARTEN. Ein entschlossenes Völkchen traf sich da in der Talvogtei. Der Dreisam-Stromer-Verein hatte zur Fahrerbesprechung geladen. Zwar gab es schon einen harten Kern von 13 Lenkradkapitänen, aber beim Vorstand schwang beim Anberaumen des Termins die Hoffnung mit, dass sich noch mehr Interessenten melden. Umso größer war die Freude, als sich mehr als 25 Teilnehmer einfanden.

Vereinsvorsitzender Stefan Saumer informierte mit einer anschaulichen Präsentation noch einmal alles Wissenswerte über Vereinsaufbau und bisherige Aktivitäten. Richtig spannend wurde es dann für die Anwesenden, als die Linienführung und der getaktete Fahrplan vorgestellt wurden. Die vier Buslinien des Dreisam-Stromers verkehren montags bis freitags von 8.45 bis 17.15 Uhr. Eine Schicht für die Fahrer dauert jeweils vier Stunden. Von 12.45 bis 13.15 ist Mittagspause und gleichzeitig Schichtwechsel. Am Samstag endet der Busverkehr um 12.45 Uhr, der Sonntag bleibt frei. Start und Ziel aller Linien ist der Bahnhof, wo der Bürgerbus eine gekennzeichnete Haltestelle bekommt.

Im Zwei-Stundentakt fährt der Dreisam-Stromer in die Teilorte Birkenhof/Höfen, Neuhäuser/Dietenbach und Burg am Wald/Zarten. Die Fahrgäste haben am Bahnhof Anschluss an die Innerortslinie und an die Züge der Bahn und andere Buslinien. Die mehrfach getesteten Fahrzeiten einer jeden Linie betragen je eine halbe Stunde. Als Saumer die verschiedenen Linienführungen zeigte und von mehr als 80 Haltestellen sprach und auch noch die Möglichkeit eines Wink- und Fahr-Stopps auf offener Strecke anführte, erhoben sich doch besorgte Stimmen, ob denn so die Taktzeiten auch eingehalten werden könnten.

Franz Löffler, für die Fahrerbetreuung zuständiges Vorstandsmitglied, versicherte, dass die Tests ausreichend Zeitpuffer ergeben hätten und man den Fahrplan bequem erfüllen könne. Im Übrigen müsse man den Betrieb erst einmal unter Normalbedingungen testen und könne jederzeit Taktkorrekturen vornehmen, wenn sie sich als notwendig erweisen. In dem Zusammenhang hob Saumer den Probebetriebs-Status außerhalb des Regio-Verkehrsverbunds Freiburg (RVF) hervor. So könne man ohne Druck auftretende Unzulänglichkeiten ausbügeln. Gleichwohl sei die spätere Mitgliedschaft dort angestrebt und auch von Seiten des RVF nach anfänglichem Zögern mittlerweile erwünscht. Der Bürgerbus sei ausdrücklich nicht als Konkurrenz zum sonstigen Busverkehr zu verstehen, sondern als dessen Ergänzung. Deshalb würden Regiokarte oder RVF-Ticket als gültiger Fahrausweise anerkannt. Neben dem Fahren und Fahrscheine verkaufen kommen auf die Fahrerinnen und Fahrer weitere Aufgaben zu: Bewegungseingeschränkten Personen mit Rollstuhl oder Gehhilfe sowie Eltern mit Kinderwagen müssen sie beim Einsteigen und beim Anschnallen ihrer speziellen Hilfsmittel helfen. Jeder Schichtverlauf wird in einem Fahrtenbuch dokumentiert, in der Anfangsphase ist eifriges Datensammeln mittels Statistiklisten wichtig. Klar wurde auch, dass einzig und allein der Fahrer entscheidet, wo genau er bei einem Wink- und Fahr-Wunsch gefahrlos und verkehrsordnungsgerecht halten kann. Da Stehplätze in einem Bus dieser Größe nicht erlaubt sind, ist nach maximal acht Fahrgästen plus Rollstuhlplatz die Kapazität voll ausgeschöpft. Wartenden kann auf Wunsch ein Taxi zum selben Fahrpreis vermittelt werden.

Nach dieser Aufzählung sah man doch einige skeptische Mienen. Damit alle Zeit zum Eingewöhnen haben und die nötige Sicherheit gewinnen, läuft in der Woche vom 6. bis 10. März ein durchgängiger Probebetrieb für die Fahrer.

"Lampenfieber gehört dazu, aber bald geht alles in Fleisch und Blut über", sagte Gisela Bühler, Vorsitzende und Fahrerin des Bürgerbusvereins Breisach mit mehrjähriger Praxiserfahrung, bei einer telefonischen Nachfrage. Hilfreich sei für alle Fahrer, öfters bei Kollegen mitzufahren und sich hinterher auszutauschen. Sie wünschte dem Dreisam-Stromer und allen seinen Steuerfrauen und -männern gute und unfallfreie Fahrt.