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16. September 2017

"Mit Ingrid Noll haben wir am späten Abend Volkslieder gesungen"

BZ-INTERVIEWmit Katrin Schmidt von der Kirchzartener Bücherstube, die seit 35 Jahren besteht, über die Existenz kleiner Buchläden und die nächsten Lesungen.

  1. Katrin Schmidt Foto: privat

KIRCHZARTEN. Seit 35 Jahren gibt es die Kirchzartener Bücherstube in der Freiburger Straße. Geschäftsführerin Katrin Schmidt organisiert jedes Jahr Veranstaltungen, bei denen Leser und Autoren zusammenkommen. Im Gespräch mit Sebastian Krüger erklärt sie, warum persönliche Beziehungen zu den Kunden kleine Buchläden am Leben halten – und was das alles mit Gitarrenmusik zu tun hat.

BZ: Seit Bestehen der Bücherstube gab es schon mehr als 300 Veranstaltungen. Was war Ihr persönlicher Höhepunkt?
Schmidt: Das ist immer die nächste Veranstaltung. Wir suchen uns die Autoren gezielt aus und laden nur Menschen ein, die wir näher kennenlernen möchten. Die Abende mit Andreas Altmann waren zum Beispiel sehr spannend. Aber eigentlich war bisher jede Veranstaltung aufregend. Vor allem die Gespräche nach den Lesungen sind toll. Es gibt immer einen harten Kern, der sich um die Autoren sammelt.
BZ: Dann lernen sich Gäste und Autoren persönlich kennen?
Schmidt: Genau. Bei einem Glas Wein in kleiner Runde geht das viel besser, als es bei Großveranstaltungen der Fall wäre. Mit Ingrid Noll, einer Krimi-Autorin, saßen wir am späten Abend im Buchladen und haben Volkslieder gesungen. So was vergisst man nicht.

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BZ: Mit Christian Reichert kommt nächste Woche ein Gast zu Ihnen, der ein Gitarrenkonzert gibt.
Schmidt: Normalerweise organisieren wir Abende, die irgendetwas mit Büchern zu tun haben. Aber dieses Mal gönnen wir uns zum ersten Mal ein Konzert, da der Musiker ganz hervorragend ist.
BZ: Wie viele Leute kommen denn in der Regel zu Ihren Veranstaltungen?
Schmidt: Wir sind oft ausverkauft. Dann kommen bis zu 120 Leute. Bei Michael Lüders, der am 25. Oktober kommt, bin ich zuversichtlich, dass wir ausverkauft sein werden. Manchmal veranstalten wir jedoch spezielle Themen mit unbekannten Autoren, dann kommen so um die 30 Menschen.
BZ: Recht beliebt ist der literarische Salon mit Frau Doetsch, der über die Jahre einen festen Platz in Ihrem Programm eingenommen hat.
Schmidt: Den literarischen Salon gibt es nun schon seit fünf Jahren. Ich fragte damals unsere Kundin Frau Doetsch, die regelmäßig die in Leder gebundenen Klassikerausgaben kaufte, ob sie die Bücher auch wirklich alle liest. ,Natürlich’, hat sie gesagt und fing an, mit strahlenden Augen von Fontane zu erzählen. Da dachte ich mir, ,okay, da kann ich noch dazu lernen’ und lud sie zu mir ein, damit sie mir mehr erzählen kann. Doch dann dachte ich mir, dass vielleicht noch mehr Menschen Interesse an Klassikern haben. Daraufhin haben wir Zettel ans Ladenfenster gehängt, um Kunden einzuladen. So ist der literarische Salon entstanden. Seither kommen eigentlich immer um die 60 Personen.
BZ: Besuchen eigentlich auch junge Menschen noch Bücherläden?
Schmidt: Natürlich. Auch die können lesen.
BZ: Das bezweifle ich nicht. Aber viele bestellen Ihre Bücher doch im Netz?
Schmidt: Schon. Aber wir haben auch einen Onlineversand. Klar, ohne Amazon sähe die Situation für viele Buchläden anders aus. Aber ich glaube, in unserer Region wissen die Leute, dass viele Läden schließen müssten, gingen die Kunden nicht mehr lokal einkaufen. Und wir unterscheiden uns von Amazon dadurch, dass wir unsere Kunden und ihre Geschmäcker kennen. Die ganz großen Läden haben eher Probleme, weil es dort anonymer zugeht und es für die Verkäufer schwieriger ist, persönlichen Beziehungen zu den Kunden aufzubauen.
BZ: Wie viel Zeit verbringen Sie mit dem Lesen?
Schmidt: In meinem zweiwöchigen Wanderurlaub habe ich fünf Bücher gelesen.
BZ: Das ist eine stolze Bilanz.
Schmidt: Okay, ich gebe zu, dass ich immer nur halbtags wandern war.

Katrin Schmidt (48) hat die Bücherstube vor zehn Jahren von ihrer Mutter übernommen. Im Börsenverein des Deutschen Buchhandels setzt sie sich als stellvertretende Vorsitzende des Landesverbandes für die Preisbindung von Büchern ein.

INFO: Veranstaltungen 2017


Im Hotel-Restaurant Sonne
:
» 17. September, 11.30 Uhr: Literarischer Salon mit Angelika Doetsch
In der Bücherstube:
» 23. September, 18 Uhr: Klassisches Gitarrenkonzert mit Christian Reichert
» 30. September, 16 Uhr: Kindertheater mit pohyb’s und Konsorten
30. September, 20 Uhr: Lesung mit Nina Jäckle
25. Oktober, 20 Uhr: Lesung mit Michael Lüders
14. Oktober: Gemeinsame Fahrt zur Frankfurter Buchmesse

» 17. November, 20 Uhr: Lesung mit Bachtyar Ali  

Autor: BZ

Autor: krue