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19. Juni 2011 17:09 Uhr
Schlechtes Wetter
Ultra Bike Marathon: Extremrennen bei Hagel und Kälte
Heftiger Regen, Hagel und Kälte haben etliche Teilnehmer des 14. Black Forest Ultra Bike Marathon zur vorzeitigen Aufgabe gezwungen, zwei Fahrer kamen mit Unterkühlung ins Krankenhaus. Auch Stürze blieben nicht aus.
5174 Meldungen lagen dem Veranstalter für die fünf Strecken vor, 4779 Fahrer gingen an den Start – ein neuer Rekord war’s trotzdem. Über 30 Helfer vom Skiclub Oberried hatten an der Verpflegungsstation Stollenbacher Hütte alle Hände voll zu tun, um den frierenden Pedaltretern vorbereitete Bananenteile, heißen Tee und kräftigende Müsliriegel zu reichen. Monteure einer improvisierten Fahrradwerkstatt kamen denen zur Hilfe, die auf der halsbrecherischen Abfahrt zum Ausflugslokal eine Panne hatten.
Vier Grad und Hagel erwarteten die Biker indes am späten Sonntagvormittag in Menzenschwand. Auch in Bernau sah es nicht besser aus. Etwa 170 Teilnehmer haben Uwe Männel zufolge deshalb am Fuße des Feldbergs aufgegeben. Der Landesleiter des Bergrettungsdienstes erklärte auf BZ-Nachfrage: "Viele Radler haben wohl unterschätzt, dass der Schwarzwald sein ungemütliches Gesicht auch im Sommer zeigen kann." Vor allem die Biker in kurzen Shirts und Hosen kamen zähneklappernd an den Verpflegungsstationen an. Für sie organisierten die Helfer in Bernau und Menzenschwand Decken und Tee. "Einige sind in unserem Vereinshaus untergekommen und als wir da keinen Platz mehr hatten, haben wir das Radonbad um Unterstützung gebeten", informierte Menzenschwands Skiclubchef Joachim Gfrörer. Dort konnten sich weitere Teilnehmer im Foyer aufwärmen.
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In Bernau unterstützten DRK-Mitglieder aus St. Blasien die Helfer von Skizunft und Bergwacht, auch sie brachten Tee und Decken. Im Hofeck-Lifthäusle konnten sich die Frierenden am Schwedenofen aufwärmen. Zwei Fahrer mussten mit Unterkühlung dem Rettungswagen ins Krankenhaus gebracht werden. "In den vergangenen Jahren gab es solche Probleme nicht", sagte DRK-Einsatzleiterin Eva Egge. Bernaus Skifzunft-Vorsitzender Hubert Baur konnte sich nicht erinnern, dass der Ultra Bike Marathon jemals unter so schwierigen Bedingungen stattfand und auch Gfrörer bestätigte: "Ich bin seit 14 Jahre dabei und so extrem war es noch nie."
Im Schwarzwald waren auch Landrätin Dorothea Störr-Ritter und Kreisbrandmeister Axel Widmaier an der Rennstrecke unterwegs. Sie kümmerten sich zusammen mit den Organisationen vor Ort umgehend um Shuttlebusse, die den Rücktransport der Fahrer übernahmen, die das Rennen angesichts der Wetterkapriolen vorzeitig beendet hatten. Neben Bussen für die Fahrer wurden auch Lastwagen für die Räder gebraucht.
Über körperliche Auskühlung und damit verbundene Muskelprobleme klagte Claus Eipperle nach seiner Ankunft im Ziel. "Besonders gefährlich war die steile Abfahrtsstrecke vom Hinterwaldkopf, weil mir durch Dreckspritzer im Auge vom Vordermann die Sicht beeinträchtigt war", so der Freiburger.
Waghalsig stürzten sich Fahrer geländegängiger Enduro-Maschinen die oftmals schmalen und holprigen Pfade hinab. "Wenn es zu gefährlich wird, muss der Mitfahrer absteigen", meinte Alexander Geiss aus Waldkirch vor dem Start. Ihm saß ein Kameramann vom Fernsehen im Nacken.
Marcel Frei aus Zürich, der zum dritten Mal an den Start ging, lobte Kurs und Veranstalter. "Die landschaftlich reizvolle Strecke und die perfekte Organisation ist einzigartig", so sein Fazit. Eine logistische Meisterleistung ist dem Organisationsteam um Carmen Iber, Eckhard Eckmann und Walter Hapser gelungen.
Als absolute Renner am Merchandising-Stand entpuppten sich T-Shirts mit buntem Ulta-Bike-Aufdruck. Aber auch DVDs, Handschuhe, Socken, Trinkflaschen und sogar eine CD mit einer extra für diesen Event komponierten Ultra-Bike-Hymne gingen über den Ladentisch. "Fast jeder Teilnehmer, der zum ersten Mal dabei ist, kauft ein Andenken", beobachtete Helferin Katharina Schweizer aus Kirchzarten. Über 200 Bücher und Postkarten signierte Cartoonist Thomas Zipfel am Samstag an seinem eigenen Stand im Schulzentrum. Tags drauf sorgte der humorvolle Radsportfan aus Kirchzarten am liebevoll "Alpe de Fidlebrugg" genannten Anstieg bei Aftersteg für ausgelassene Stimmung unter den Zuschauern.
Christina Bezay und Lucas Rosenfelder fuhren für die "Sie und Er"-Wertung. Das Paar ging vor Jahren im Marie-Curie-Gymnasium zur Schule, verlor sich aus den Augen – und fand sich nach längerer Zeit wieder. "Das Rennen wird die Härteprüfung für unsere Beziehung. Wenn das klappt, dann klappt auch unser gemeinsamer Lebensweg", so Rosenfelder vor dem Start mit einem Augenzwinkern.
Eine lange Warteschlange bildete sich, als am Samstagabend vor dem Sportstadion die Pasta-Party ihren Lauf nahm. In geräumigen Warmhalteboxen lieferte die Metzgerei Föhrenbacher über eine Tonne Spaghetti und 1100 Liter Tomatensoße, damit die Landfrauen eine kalorienhaltige "Speisung der 5000" portionsweise ausgeben konnten.
Rathauschefs der Region, talentierte Nachwuchsfahrer und Stars der lokalen Bike-Szene eröffneten am Freitagabend in der Fußgängerzone das sportliche Großereignis. Fast zur Nebensache geriet dabei, dass auf dem wegen Regengüssen schlüpfrig gewordenen Rundkurs mit Bürgermeister Andreas Hall und Elitefahrer Fabian Strecker gleich zwei Einheimische die Nase vorn hatten. Im kommenden Jahr darf sich die Mountainbike-Szene über ein besonderes Ereignis freuen: Dann wird im Rahmen des 15. Ultra Ultra Bike die Deutsche Marathon-Meisterschaft ausgetragen.
Autor: Andreas Peikert und Kathrin Blum
