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07. Februar 2012
Unterschriften für Bürgerbegehren
In Kirchzarten mobilisiert die Interessengemeinschaft Giersberg die Gegner der Planidee für eine Bike-Arena.
KIRCHZARTEN. Vor einer Woche startete das erste Bürgerbegehren in der Geschichte von Kirchzarten. Seitdem sind ehrenamtliche Helfer der Interessengemeinschaft Giersberg unterwegs, um Unterschriften gegen die Bike-Arena am Giersberg zu sammeln. Bei ihrem Infostand am Samstag in der Fußgängerzone zogen die Initiatoren eine erste Zwischenbilanz.
Obwohl das Thermometer der nahegelegenen Apotheke eisige zwölf Grad minus anzeigt, ist der Stand der Interessengemeinschaft Giersberg (IGG) von Passanten dicht umlagert. "Wo kann ich unterschreiben?", wollen die meisten wissen. Eine davon ist Gutta Ott (66). Die Gastwirtin bewirtschaftete über ein Jahrzehnt das Kurhaus Kirchzarten. Der gebürtigen Kirchzartenerin ist das Waldgebiet unterhalb der Kapelle im wahrsten Sinne des Wortes ans Herz gewachsen. "Das Naherholungsgebiet würde unter einer Bike-Arena erheblich leiden", so ihre Überzeugung. Das Argument, Radfahrer würden zusätzliches Geld in die Kassen der Gewerbetreibenden spülen, kann sie nicht nachvollziehen. Die meisten Biker seien Tagestouristen, die ihr Vesper mitbringen und abends wieder heimfahren, so ihre Beobachtung.Werbung
Auch für Paul Klingele (35) ist es eine Selbstverständlichkeit, mit seiner Unterschrift dem Bürgerbegehren zum Erfolg zu verhelfen. Er sorgt sich vor allem um die Tiere auf dem angrenzenden Hofgut Birkenreute. Sein Vater füttert seit vielen Jahren die Kühe und das Federvieh des Anwesens. Früher hat er selber dort gewohnt. Der Dachdecker befürchtet, dass eine Bike-Arena auf dem nur wenige Meter vom Hof entfernt gelegenen Terrain die dort grasenden Tiere stören werden.
Eine der über 30 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern, die seit Tagen von Haus zu Haus gehen und um Unterschriften für das Bürgerbegehren werben, ist Elisabeth Welter (75). "Über 90 Prozent der Leute wissen, um was es geht. Fast alle sind freundlich. Manche warten sogar schon auf den Besuch", erzählt sie. Auch wenn sie sich bezüglich der Anzahl ihrer bisher eingesammelten Unterschriften bedeckt hält, macht sie keinen Hehl daraus, dass ihre Umfrage bisher überaus positiv verlaufen ist. "Die meisten, die angetroffen werden, unterschreiben. Einige haben Vorbehalte, weil sie aus geschäftlichen oder familiären Gründen Bedenken haben", so die Beobachtung der Rentnerin.
Geradezu überwältigt vom positiven Feedback auf das kurzfristig auf die Beine gestellte Bürgerbegehren ist das Sprecher-Trio der Interessengemeinschaft Giersberg. "Pro Tag sind es 30 Anrufe und 50 E-Mails. Fast alle unterstützen uns. Eine Unterschrift kam sogar von einem Kirchzartener, der gerade in Südafrika Urlaub macht", erzählt Günter Möbius.
Eva-Maria Wunderle, die sich als eine der Ersten gegen das Vorhaben mit Leserbriefen zu Wort meldete, betont, dass das eingeleitete Bürgerbegehren dann zurückgezogen wird, wenn der Gemeinderat dem Ansinnen der Bürgerinitiative stattgibt. Sollte sich der Gemeinderat allerdings für eine Bike-Arena entscheiden, sei dieser verpflichtet, so Wunderle, einen Bürgerentscheid mit der Fragestellung des Bürgerbegehrens herbeizuführen.
Da im Sommer immer mehr "wilde Trails" im Wald entstanden sind, sieht Michaela Platten die Aktivisten vom Sportverein in der Pflicht, für deren Rekultivierung Sorge zu tragen. "Die fortschreitende Erosion und damit zusammenhängende Zerstörung der Natur darf nicht bleiben", so Platten. Zugeknüpft gibt sich das Sprecher-Trio, was die Anzahl der Unterschriften "zur Halbzeit" anbetrifft. Allerdings signalisieren sie unmissverständlich, dass es schon nach einer knappen Woche des Unterschriftensammelns so aussieht, dass die Anzahl der benötigten Unterstützer für das Bürgerbegehren ausreichen wird. "Das Feedback übersteigt unsere Erwartungen. Das Stimmungsbarometer spricht eindeutig für uns", so Möbius.
Zusammengezählt werde am 16. Februar. Eine Woche später, so sei es geplant, werden die Unterschriften an Bürgermeister Andreas Hall zur abschließenden Prüfung überreicht. Zusätzlichen Rückenwind erhoffen sich die IGG-Aktivisten durch den sich abzeichnenden aktuellen Erfolg der Bürgerinitiativen entlang der Rheintaltrasse bei ihrem Ringen um eine lärmgeminderte Bahnstrecke.
Autor: Andreas Peikert
