Vom Reisen, Aufbrechen und Ankommen

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Mi, 22. März 2017

Kirchzarten

Die aus dem Schwarzwald stammende Folksängerin Theresa Dold bekommt bei ihrem Konzert in Oberried viel Applaus.

OBERRIED. Mit Folksoul ein altersheterogenes Publikum von Jung bis Alt erreichen? Theresa Dold, im Schwarzwald aufgewachsen und nun seit zehn Jahren in Hamburg lebend, gelingt dies. Sie spannt ihr Leben zwischen Nord und Süd, zwischen Bergen und Meer, zwischen hier und dort – und bekommt riesigen Applaus. In der ausverkauften Klosterschiire in Oberried sang Theresa Dold Stücke aus ihrem aktuellen Album "Strandgut". Passend zum Titel hatte sie die Bühne liebevoll eben damit dekoriert: ein altes Schiffstau, Muscheln, Treibholz, eine maritim anmutende Lampe... Dazwischen Dold mit ihrer Fender-Gitarre, sichtlich schwanger, bei ihrem letzten Konzert vor der Babypause, wie sie sagt. Ihre selbst geschriebenen Lieder handeln von Sehnsuchtsorten am Meer und im Gebirge, von Wasser, Freundschaft und Liebe, vom Mut zu Entscheidungen, vom Leben und davon, wie es sein sollte. Erklärende Worte zu den einzelnen Titeln sprach Dold in tiefstem Alemannisch, was zu den meist hochdeutschen oder englischen Songtexten einen spannungsreichen Kontrast setzte.

Nachdenkliche Texte, variantenreiche Stimme

"Du fragst dich, bist du pur und wahrhaftig, bist du lebendig und wild, oder nur ein Abziehbild?", heißt es im Refrain von "Mosaik", ein Lied, das sie als "hochphilosophisch" ankündigte. Nachdenklich und fragend kam es daher, reflexiv.

Bei den Songs "Sehnsucht Süde..." und "Am großen Strom" ließ Dold auf einer Leinwand im Hintergrund Fotografien von ihren Reisen und Wanderungen projizieren – das Reisen, unterwegs sein, Aufbrechen und Ankommen ziehen sich wie ein roter Faden durch Dolds Lieder. So reizvoll das im Einzelnen sein mag, auf Konzertlänge ausgedehnt verliert dieser Faden irgendwann etwas Spannung.

Ihre Stimme: Mal zart, mal hart, mal von unten in den Klang rutschend, fast jaulend, mal weich und rund und trotz Erkältung flexibel und variantenreich eingesetzt. Ihr Gitarrenspiel: souverän und farbenreich. Ihr Auftreten: Ohne Noten, ganz auswendig bestreitet sie den Abend, trägt ihre Musik von innen nach außen, zu ihrem Publikum, denn "ohne Publikum gibt’s kein Konzert". Ihre Texte: oft nachdenklich und fragend, voll schöner, naturnaher, oft nordischer Bilder. Mitunter mit einer Prise zu viel Plattitüde ("alle Wasser der Welt fließen zum Meer"). Und gelegentlich mit scheinbar nicht zu Ende gedachten Bildern ("Der Vogel kämpft sich aus dem Ei, schwingt sich empor und ist frei" – ganz so einfach ist auch die Lebenswirklichkeit eines Vogels nicht. Dass auch einem Küken erst mal Federn wachsen müssen und es dann üben und lernen muss, wie man fliegt, das Werden und Wachsen blendet Dold bei diesem Bild ein bisschen zu sehr aus).

Dennoch begeistert sie ihr Publikum, manch einer genießt mit geschlossenen Augen, andere verfolgen ganz genau, was auf der Bühne passiert. In vielen berührt sie etwas, was mit in den Norden gezogenen Familienangehörigen oder dem eigenen Lebensortswechsel zusammenhängt und mit der Besucherrolle im früheren Leben beim Nachhausekommen: Ich will "nach Hause kommen, aber niemals zurück" sprach so manchem Lebensnomaden aus dem Herzen. Viel Applaus und drei Zugaben – ein gelungener Abend.