Klänge mit Pusteblume

Reiner Kobe

Von Reiner Kobe

Mo, 25. Juni 2018

Rock & Pop

Ralf Schmids Projekt Pyanook 2 im Freiburger Humboldtsaal.

Dass technischer Aufwand und musikalische Aussage in krassem Gegensatz stehen, wie an dieser Stelle anlässlich der Premiere von Pyanook beim vergangenen Freiburger Jazz Festival festgestellt wurde, kann bei der Weiterentwicklung des Labor-Projekts, die jetzt im Humboldtsaal stattfand, nicht behauptet werden. Zu sehr ist der Erfinder, der Freiburger Piano-Professor Ralf Schmid, bemüht, seine live eingespielten Klänge im Pyanook Lab, wie er die Weiterentwicklung nennt, stimmig sichtbar zu machen. Dazu arbeitete er mit einem Start Up zusammen, das mit Augmented Reality im Konzertbereich experimentiert.

Dreidimensionale Bilder, entworfen vom Karlsruher Lichtkünstler Pietro Cardarelli, projiziert Schmid "rund um die spacigen Flügelklänge" seines Klaviers live auf die große Video-Leinwand. Einleitend gibt sich der Pianist bei leichtem Anschlag fast romantisch mit "Do Not Worry", einem "Stück zum Runterkommen", wie er erklärt, ehe er seine Datenhandschuhe überstreift und wie ein Dirigent mit Arm- und Handbewegungen seine mit Klängen gekoppelten Bilder steuert. Letztere werden dreidimensional von rund um den Flügel auf Stativen montierten Smartphones auf die große Saal-Leinwand projiziert. Statt der Wolkenbilder im vergangenen Jahr sind es nun Pusteblume, ein Asteroid oder ein Baum vor verwackelter Großstadtkulisse. "Everything Is The Right Place, eine eigenwillige Bearbeitung eines Songs von Radiohead, begleitet zuweilen von dumpfer, Computer generierter Basstrommel und virtuellen Geräuschen, lässt die Leinwand mit vagen Bildern aufleuchten.

"Club Dance", eine rhythmisch swingende, fast konventionelle Nummer, die den Jazzmusiker Ralf Schmid verrät, wird durch programmierte Einsprengsel aufgebrochen. Bei "Area", das Schmid in verschiedenen Versionen interpretiert, welkt eine Pusteblume allmählich dahin, und bei "Earth Loop" schließlich verglüht dann ein Asteroid vor den Augen der Zuhörer.

Nicht immer harmonieren die Bilder mit dem gesendeten Sounds und den live eingespielten Klavierklängen, doch gelobte Erfinder Schmid, der sich immer wieder mit erklärenden Worten ans Publikum im gut gefüllten Saal wendet, "bessere Synchronisierung" nach einer knappen Stunde Paynook Lab. Seine wahre Bewährung erfährt das mit einem Kammerorchester zusätzlich aufgerüstete Lab morgen in Berlin in der großen Konzertreihe "Neue Meister".