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12. Oktober 2010 10:33 Uhr
Schutz vor Amokläufen?
Klassenzimmer: Türknaufe statt Klinken für mehr Sicherheit
Knaufe statt Klinken an den Türen: Knapp anderthalb Jahre nach dem Amoklauf von Winnenden, bei dem ein Schüler 15 Menschen und sich selbst erschoss, werden an den Schulen in Freiburg Konsequenzen gezogen.
Grundlage sind Empfehlungen eines Expertenrats des Kultusministeriums. In einem ersten Schritt werden nach und nach an sämtlichen Freiburger Klassenzimmern in allen 75 Schulen die Türklinken ausgetauscht – was keineswegs unumstritten ist.
"Statt der Türklinken werden sogenannte Festknäufe installiert", sagt Johannes Klauser, Leiter des Gebäudemanagement Freiburg (GMF), das die Arbeiten ausschreibt. Die Türen zu den Klassenzimmern lassen sich damit nur noch mit einem Schlüssel von außen öffnen. Mit diesem Austausch soll im Falle eines Falles verhindert werden, dass ein Amokläufer in die Räume gelangt. 200.000 Euro hat der Gemeinderat zunächst dafür genehmigt. "Das ist aber nur die erste Charge", sagt Klauser. Die Prioritäten hat das Amt für Schule und Bildung festgesetzt. "An oberster Stelle stehen alle weiterführenden Schulen", sagt dessen Leiter Rudolf Burgert. Die Grundschulen seien zunächst zurückgestellt, folgten aber in den kommenden Monaten.
Eine Aussicht, die Ingrid Buttmi nicht gefällt. Die Leiterin der Clara-Grunwald-Schule im Rieselfeld hat bereits signalisiert, dass sie Türknäufe in ihrer Schule, in der die Kinder nach der Montessori-Pädagogik unterrichtet werden, für Geldverschwendung hält. "Bei uns wird viel auf dem Flur gearbeitet, wir haben nicht die Tendenz, uns einzuschließen, diese Investition wäre also völlig sinnlos", sagt Buttmi. Man habe natürlich einen Amokplan erstellt, "aber wir rechnen nicht mit einer solchen Tat an einer Grundschule". Fraglich ist, ob ihr Einspruch gehört wird. Rudolf Burgert vom Amt für Schule und Bildung betont die Pflichten der Stadt: "Wir können die Empfehlungen des Expertenrates nicht einfach ignorieren."
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Vom Grundsatz her begrüße man alles, was die Sicherheit an Schulen erhöhe, sagt Martin Wedel, Leiter des Deutsch-Französischen Gymnasiums. "Wie das mit der praktischen Umsetzung aussieht, müssen wir sehen, wenn es soweit ist." Denn Knauf statt Klinke bedeutet: Jeder Schüler, der mal aufs Klo geht, muss klopfen, wenn er wieder in die Klasse will. Morgens können die Schüler nicht nach und nach im Zimmer eintrudeln, sondern müssen warten, bis sie alle vom Lehrer eingelassen werden.
Norbert Muser, stellvertretender Leiter der Friedrich-Weinbrenner-Gewerbeschule: "Wir haben das auch bei uns diskutiert und eigentlich gehofft, dass die Knäufe nicht kommen." Tun sie aber. Und sie dienen einem wichtigen Grundsatz im Katastrophenfall: "Bei Feuer das Gebäude verlassen, bei einem Amoklauf Türen verriegeln und sich verschanzen", sagt Stefanie Kaempf, die das Kriseninterventionsteam am Regierungspräsidium Freiburg leitet. Hier werden schon seit Jahren Lehrer und Schulleiter im Umgang mit Krisensituationen geschult. "Bisher waren das vor allem Unfälle oder auch Suizide. Das geht seit Winnenden jetzt stärker in Richtung Amoklauf", erklärt Kaempf. Die Fortbildungen würden vermehrt nachgefragt. Dabei geht es weniger um konkretes Verhalten im Notfall, sondern vor allem um ein präventives Erkennen von Problemsituationen. "Wenn wir hier gute Arbeit leisten, tritt der schlimmste Fall hoffentlich gar nicht erst ein", sagt Stefanie Kaempf,
Doch was, wenn’s brennt, und die Feuerwehr kontrollieren muss, ob noch Schüler in den Zimmern sind? "Das Interesse, sich vor einem Amoklauf zu schützen, geht vor", sagt Frank Eichin vom Amt für Brand- und Katastrophenschutz. Zumal die Schule im Brandfall geräumt und die Lehrer an Sammelplätzen überprüfen, ob die Klassen vollzählig sind. Das teilt die Schule der Feuerwehr mit. Fehlt jemand, gibt sie die Etage des Klassenraums an. "Den Schüler suchen wir dann, und brechen die Tür auf, kein Problem", erklärt Eichin. "Wenn man jeden Raum durchsuchen müsste, dann wär’s schlecht."
Werden die Türknäufe auch an Schulen außerhalb Freiburgs eingeführt? "Freiburg geht da voran", sagt Alfons Bank, Pressereferent der Schulabteilung des Regierungspräsidiums Freiburg. "Die Schulen in Freiburg folgen den Empfehlungen des Expertenrates. Das ist keine Vorgabe des Kultusministeriums, sondern liegt in der Eigenverantwortung der Schulträger." Ihm sei nicht bekannt, ob andere Landkreise des Regierungsbezirks nachziehen würden.
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Autor: Claudia Füßler und Benjamin Klaußner
