Institution mit Tradition

125 Jahre Freiburger Philharmoniker: Junge Jubilare

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Mi, 28. März 2012 um 01:21 Uhr

Klassik

Eine Institution mit großer Tradition feiert in der Spielzeit 2012/13 Geburtstag: Es war am 12. Oktober 1887, als das neu gegründete Stadtorchester in Freiburg sein erstes Sinfoniekonzert gab.

Eine Institution mit großer Tradition feiert in der Spielzeit 2012/13 Geburtstag: Es war am 12. Oktober 1887, als das neu gegründete Stadtorchester in Freiburg sein erstes Sinfoniekonzert gab. 125 Jahre später, am 30. September 2012, wird dieser Klangkörper, der längst den Namen Philharmonisches Orchester trägt, mit einem Festakt im Konzerthaus die Jubiläumsspielzeit eröffnen. Und dass diese unter dem Motto "125 Jahre jung" – nicht "alt" – steht, macht nicht nur die Präsenz von Kindern auf den neuen Flyern und Broschüren deutlich. Auch das Programm will dem inhaltlich Rechnung tragen – mit einer breiten Palette an Musik aus über drei Jahrhunderten. "Es geht uns darum", sagt Generalmusikdirektor Fabrice Bollon, "dass das Orchester sich von vielen Facetten zeigen kann". Das heißt auch: Vielseitigkeit beweisen. Und Qualität.

Solisten der Saison 2012/13 stammen weitgehend aus den eigenen Reihen

Beides ist nichts Neues bei diesem Klangkörper. Dass die Solisten der Saison 2012/13 gleichwohl weitgehend aus den eigenen Reihen stammen, unterstreicht das hohe Niveau, auf dem sich die Philharmoniker gegenwärtig bewegen. Zum Beispiel Doris Marronaro. Die Soloflötistin wird beim Festkonzert mit dem Flötenkonzert des großen Deutsch-Koreaners Isang Yun aufwarten, das neben Mozarts "Don Giovanni"-Ouvertüre und Tschaikowskys vierter Sinfonie im Programm steht. Weitere Haussolisten sind der Fagottist Clarens Bohner mit André Jolivets Fagottkonzert und Konzertmeister Manuel Druminski mit dem virtuos-eingängigen Violinkonzert des Armeniers Aram Chatschaturjan. Dazu kommen Sänger des Theaters, wie der Tenor Christian Voigt mit Richard Strauss’ Vier Orchesterliedern. Oder Christina Vasileva und Juan Orozco, die zusammen mit dem argentinischen Tenor Martin Mühle die Hauptparts in der konzertanten Produktion von Riccardo Zandonais großer veristischer Oper "Francesca da Rimini" bestreiten. Der SWR schneidet mit.

Gleich zu Beginn der Saison, im zweiten Konzert wagen die Philharmoniker ein Experiment: Unter dem Titel "Ein Orchesterfest" gibt es ein dreiteiliges Konzert, bei dessen Mittelpart sich die Besucher entscheiden müssen: für Villa-Lobos’ Bachianas brasileiras mit den Philharmonischen Cellisten, für Kammermusik von Mozart oder für ein Opus von Luigi Nono mit dem SWR-Experimentalstudio. Vor der Pause gibt’s Ravels Bolero und Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3, nach dem Mittelteil Strawinskys "Sacre du printemps" – wahrhaft ein Musikfest.

Hat die Stadt ein Geburtstagsgeschenk in petto?

Neben dem Generalmusikdirektor werden drei Gäste am Pult stehen: Reinhard Goebel, ehedem Gründer der Musica antiqua Köln und einer der gefragtesten Dirigenten in Sachen historische Aufführungspraxis. Mit dem Grazer Opernchefdirigenten Johannes Fritzsch kehrt ein früherer GMD (1993–1999) nach Freiburg zurück. Und Gerhard Markson, der erste ständige Gastdirigent der Philharmoniker, wird sich dieses Mal unter anderem mit der Ballettsuite Rébus seines Lehrers, des Dirigenten und Komponisten Igor Markevitch auseinandersetzen.

Vor Saisonauftakt führt das Orchester übrigens eine kleine Tournee unter anderem nach Fribourg und Guebwiler. Gastspiele seien sehr wichtig, sagt Bollon und seufzt dennoch: Denn die – nur – 66 Planstellen brächten die Philharmoniker immer wieder an die Grenzen der Belastbarkeit. Doch die Hoffnung stirbt zuletzt: Vielleicht hat die Stadt ja ein Geburtstagsgeschenk in petto …

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