Am Ende zunächst betroffenes Schweigen

Irmtraud und Edward H. Tarr

Von Irmtraud & Edward H. Tarr

Di, 28. März 2017

Lörrach

Motettenchor Lörrach mit Orchester und Gesangssolisten unter Leitung von Stephan Böllhoff mit Dvoráks "Stabat mater" im Burghof .

Heutzutage wird Dvoáks Stabat mater op. 58 nur selten aufgeführt, obgleich es zu Lebzeiten des Komponisten zu seinen beliebtesten Werken gehörte. Dramatische Ereignisse widerfuhren Antonín Dvorák, während er sein "Stabat mater" in den Jahren 1876/77 komponierte. Bereits 1875 hatte das Ehepaar Dvorák ihre Tochter kurz nach deren Geburt verloren. Im August und September des Jahres 1877 starben auch die elfmonatige Tochter und der dreijährige Sohn. So bekam der lateinische Text über die Mutter Gottes, die am Kreuz um ihren einzigen Sohn trauert, für den Komponisten eine sehr persönliche Verbindung – auch er war nun kinderlos.

Vom Anbeginn sollte Dvoráks "Stabat mater", das den Höhepunkt in seinem vokalem Schaffen und den ersten großen Beitrag zur tschechischen geistlichen Musik bedeutet, im Konzertsaal erklingen, nicht in der Kirche. Es ist eine Art Trauermeditation, deren Herausforderung darin besteht, eine Folge von langsamen Sätzen einheitlicher Stimmung kompositorisch abwechslungsreich zu gestalten. Dvorák meisterte dies, indem er Lichtstrahlen der Hoffnung hineinkomponierte, die seiner Musik immer wieder eine fast tänzerische Beschwingtheit verleihen.

Dem Dirigenten Stephan Böllhoff gelang es, der Einseitigkeit dieser Trauerkomposition geschmackvoll, elegant und mit feiner Differenzierung zu begegnen. Auffallend an Dvoráks "Stabat mater" sind die vielen Piano-Stellen. Hier gelang es dem gut vorbereiteten Orchester die Spannung zu halten, ohne dynamisch übers Ziel hinauszuschießen.

Die vier Gesangssolisten waren Siri Karoline Thornhill (Sopran) aus Norwegen, Ursula Eittinger (Mezzosopran) aus Ingolstadt), Reginaldo Pinheiro (Tenor) aus Brasilien und Manfred Blassmann (Bass) aus Freiburg im Breisgau. Das gefühlvoll agierende Solistenquartett, das in einem guten Gleichgewicht zu Orchester und Chor stand, hatte es nicht leicht in der trockenen Raumakustik. Umso lobenswerter der helle Tenor von Pinheiro und die sensible Einfärbung des profunden Basses Blassmann, der in "Fac, ut ardeat cor meum" für sich einnahm. In sämtlichen Registern gelang dem Dirigenten eine gute Mischung aus klarer Textartikulation und frei gestaltetem Melodiefluss. Böllhoff wählte flüssige Tempi und gestaltete die vielen Diminuendi in Dvoráks Werk feinfühlig und angemessen. Wie wohltuend am Ende des Konzertes: kein frenetischer Beifall, sondern ein betroffenes Schweigen der vielen Zuhörer.