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14. Januar 2012
New Yorker Philharmoniker
ANGERISSEN: Malheur bei Mahler
Wäre es in phonstarken Momenten der sogenannten Sinfonie der Tausend oder im opulenten Kehraus der Auferstehungssinfonie dieses Komponisten passiert: kein Problem, zumindest kein gravierendes! So aber ereignete sich das Missgeschick kürzlich ausgerechnet auf der Schlussstrecke von Gustav Mahlers Sinfonie Nr. 9. In diesem Werk, das, wie Mahlers Kollege Alban Berg vermerkte, "ganz auf Todesahnung gestellt" ist. In jenem Klanggemälde, das auf Abschied gepolt ist und in ein anderes Dasein zu weisen scheint. In einer "Neunten", deren Schluss mit seiner pathetischen Doppelschlagfigur extrem leise wird und wo Mahler gleichsam das Verstummen komponiert. Just in diese Pianissimo-Gegenwelt platzte im Konzert aus Reihe I ein so profanes wie omnipräsentes Kommunikationsteil unserer Tage: ein Handy mit angestrengtem Klingeln. Alan Gilbert, den aktuellen Chefdirigenten der New Yorker Philharmoniker, des Weltklasse-Orchesters, an dessen Spitze Pultstars wie Bernstein, Boulez und Maazel standen, brachte das dermaßen in Rage, dass er die Interpretation wegen der Klingel-Dreingabe stoppte und von einer "ungeheuerlichen Störung" sprach. Nachdem das Malheur behoben war, brachte er die Sinfonie zu Ende. Die 2750 Hörer dankten es ihm frenetisch. Wie sich aber der ja immerhin in Sachen Handy auf Empfang eingestellte Mobilfunknutzer nach dem Betriebsunfall fühlte, ist nicht bekannt. Auch nicht, ob denn das Befinden des Users mit Mahlers Vortragsanweisung übereinstimmte: Zum Ausklang heißt es da kurzerhand "ersterbend"...
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Autor: Johannes Adam
