Auf Star Trek-Mission im E-Werk

Sarah Nöltner

Von Sarah Nöltner

Mi, 14. März 2018

Klassik

Das SWR-Symphonieorchester und das SWR-Experimentalstudio mit Stockhausens "Mixtur 2003" beim Linie 2-Konzert in Freiburg.

Bekanntes mit Unbekanntem mischen und daraus Neues entstehen lassen – darin drückt sich ein kultureller, menschlicher und künstlerischer Ur-Entwicklungsimpuls aus. 1964 unternahm Karlheinz Stockhausen mit seiner "Mixtur 1964" den Versuch, klassisches Orchester, elektronische Klangerzeugung und Klangumwandlung gemeinsam auf die Bühne zu bringen. Die nun im Freiburger E-Werk vom SWR Symphonieorchester in der Reihe Linie 2 aufgeführte "Mixtur 2003" ist eine gemeinsam mit Stockhausen im SWR Experimentalstudio weiterentwickelte Fassung, die die aktuellen technischen Möglichkeiten einbezieht.

Was in der Ankündigung fast ein bisschen nach musikalischem Star Trek klingt, die Musiker seien "in gemeinsamer Mission unterwegs zu neuen, faszinierenden Klangwelten", war nicht zu viel versprochen. Dirigent Titus Engel und das SWR-Symphonieorchester wahrten den Überblick über die zwanzig musikalischen Momente, und Klangregisseur Joachim Haas mixte mit wachem Ohr für den Gesamtklang die live erzeugten instrumentalen und elektronischen Klänge. Die vier Sinusgeneratoren-Spieler fügten sich dicht, schalkhaft und elegant ins Orchester ein.

Daraus entstand: Ein reizvolles Gemisch aus live gespielter, elektronisch transformierter Musik, ergänzt um rein elektronisch erzeugte Sinusgeneratoren-Klänge.

Schwingungs- und obertonreiche Orchesterinstrumentenklänge mischten sich mit quasi sterilen Generatoren-Klängen – ein spannendes Gemisch, bei dem jeder Beteiligte trotz elektronischer Effekte seine Klangautonomie wahrte. Verfremdungseffekte elektronischer und analoger Art gab es, sogar viele, aber nicht mit dem Ziel, den klassischen Instrumentalklang den Sinusklängen anzunähern, sondern als eine sensible und spielerische Erweiterung der jeweiligen Möglichkeiten unter Wahrung der instrumentenimmanenten Eigenheiten. Gleichsam faszinierend und verwirrend, eine Mischung von infiniten Klängen, die zwar räumlich oft einer Instrumentengruppe zuzuordnen waren, jedoch nicht finit einem einzelnen Instrument oder Musiker. Dass die 20 musikalischen Momente zunächst vorwärts und nach einem kurzen "Black" (lichtlose Pause) auch in umgekehrter Reihenfolge gespielt wurden, ermöglichte ein vertiefendes Hören.

Gut balanciert von Haas am Mischpult, gut strukturiert von Engel am Dirigentenpult, gut gespielt vom SWR-Symphonieorchester. Eine spannungsreiche "Mixtur", die eigentlich regelmäßig im E-Werk zu hören sein sollte, so nahtlos fügt sich das Werk, das in seinem Überschreiten von Genregrenzen Neues schafft, in die Örtlichkeit mit ihrem besonderen Bezug zur Elektrifizierung und zu spartenüberschreitenden, kulturellen Konzepten ein.