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19. Juni 2017

Beethoven und Galgenlieder

Das SWR-Kammerkonzert im Konzerthaus Freiburg.

"Oh, es gibt hier sehr große Instrumente, da werden wir wohl nicht einschlafen", sagte eine Dame mit Blick auf Schlagwerk und Kontrabass vor Beginn. Eingeschlafen ist während dieses SWR-Kammerkonzerts im Konzerthaus dann tatsächlich niemand, denn entspannend war das Programm keineswegs. Stattdessen witzig, humorvoll (Sofia Gubaidulina), befremdlich (Igor Strawinsky) und rasant (Beethoven).

An den großartigen "Galgenlieder (à 5)" von Sofia Gubaidulina hatten die meisten Zuhörer sichtlich ihren Spaß. Christian Morgensterns sprachwitzigen Texte in der klaren, ernsthaften und manchmal schmunzelnden Interpretation von Anne Greiling (Mezzosopran) amüsierten. Franz Bach am melodischen Schlagzeug, Arvid Christoph Dorn am Kontrabass, Anne-Maria Hoelscher (Akkordeon) und Christina Singer (Flöte) verflochten Gubaidulinas Klänge eng mit den gesungenen Texten, umrahmten, umspielten und untermalten sie und nahmen die Zuhörer dabei mit in eine surreal wirkende Klangwelt. Nonsens und witzig ins Absurde geführte Alltäglichkeiten – für manche ein Zuviel an Inszenierung, für andere der Schritt rein in die Kunst und damit in die Freiheit der klingenden Gedankenspielereien.

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Luftig im Schweren

Mit dem Amenda-Streichquartett (Vivica Percy und Gunnar Persicke, Violine, Jean-Christophe Garzia, Viola, Markus Tillier, Cello) rauschten Igor Strawinskys "Drei Stücke für Streichquartett" geschwind vorbei.

Für Überraschung und Irritation gleichermaßen sorgte der nahtlose Anschluss – raus gerauscht aus Strawinsky, rein in Beethovens Streichquartett op. 59 Nr. 3, und wie geschwind. Zeit für Strawinsky-Applaus? Fehlanzeige! Zeit, sich innerlich umzustellen? Ebenso Fehlanzeige! Auch hier gab es durchaus geteilte Meinungen. Manche Gesichter entspannten sich und die Freude, nun endlich "was Richtiges" zu hören, dominierte so sehr, dass das "Wie" dieses Beethovens nebensächlich wurde.

Gut getan hätten ihm auch mal ganz leise Töne und eine kleine Temporeduktion, durch die die vielen schnellen Läufe an Bedeutung gewonnen hätten. Der schön durchgeatmete zweite Satz klang luftig im Schweren, die von Bratscher Jean-Christophe Garzia kantabel gestalteten Melodien waren besonders auch bei der Fuge im vierten Satz ein Genuss.

Wie dem auch sei: Es gab langen Applaus und eine Zugabe.

Autor: Sarah Nöltner