Berauschende Lebenslust

Fabian Ober

Von Fabian Ober

Mo, 27. Juli 2015

Klassik

Semesterkonzert der Jungen Kammerphilharmonie Freiburg.

Von steifer Lernatmosphäre war ausnahmsweise nichts zu spüren. Wo sonst der Charme von Strafrecht oder Makroökonomie durch die Lüfte schwebt, kann auch das wirklich Schöne für Geist und Seele den Raum füllen. Da der Konzertsaal der Musikhochschule durch einen Hagelschaden noch immer nicht bespielbar ist, musste die Junge Kammerphilharmonie Freiburg (Leitung: Andreas Winnen) ihr Semesterkonzert notgedrungen ins Audimax der Universität verlegen.

Es gibt Schlimmeres. Gerade, weil das Konzertprogramm schnell dafür sorgt, dass in den ansonsten mit Büchern und Laptops vollgepackten Tischreihen erst gar Lerngefühl aufkommen kann. Stattdessen: authentische Lebenslust. In Dvoráks "Karneval-Ouvertüre" op. 92 lässt Winnen sein Ensemble an der langen Leine, so dass sich die rhythmische Wildheit der Musik gut entfalten kann. Auch wenn die Balance, gerade zwischen Streichern und Blechbläsern, manchmal etwas zugunsten des Berauschenden außen vor bleibt: Der stürmische Trubel gefällt.

Kein Beinbruch, es gibt ja noch Brahms

Von Édouard Lalos Cellokonzert kann man das leider nicht allumfassend behaupten. Solist Denis Zhdanov und das Ensemble agieren hier selten auf einer musikalischen Wellenlänge. Im Kopfsatz finden die markanten Tuttischläge, die die Philharmonie wirklich fulminant einwirft, und die sensibel und feingliedrig intonierten Cello-Soli im rezitativischen Stil noch gut zueinander. Im darauffolgenden "Intermezzo", das sanfte Lyrik einem enthemmten, spanisch anmutenden "Allegro presto" gegenüberstellt, fehlt es jedoch an vielem: Kaum intonatorische Sicherheit ist zu spüren, Zhdanovs übermäßiges und zu eng tönendes Vibrato (bei ansonsten eigentlich klarem, warmem Tibre) überdeckt die strukturellen Konturen des Orchesters. Und auch im Schlusssatz: Das Tänzerische kommt hier kaum zur Entfaltung, die Musik wirkt seltsam farblos – und nicht so überschäumend, wie sie eigentlich könnte.

Kein Beinbruch, es gibt ja noch Brahms. Wer die ursprüngliche Version seines Klavierquartetts op. 25 kennt, der weiß um die Schwierigkeiten dieser komplex zu gestaltenden Komposition. Hier zeigt sich das Ensemble wieder straff organisiert: In der herrlich farbigen Orchestrierung von Arnold Schönberg wird das Essentielle des Werks hörbar: Die markerschütternde Melancholie im Kopfsatz, der eigentümliche Volkston, der ins Unendliche gesteigert wird. Ganz besonders das "Intermezzo" gefällt durch intensive, lange Bögen, den die zarte, zugleich vorwärtsdrängende Melodie in sich trägt. Und das abschließende "Rondo alla Zingarese" mit seinen abwechslungsreichen Zigeuner-Epsioden hat den gewünschten scharf pointierten Drive. Chapeau, gerade für diesen Brahms.