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24. Mai 2009 19:00 Uhr

Konzert in Freiburg

BZ-Interview: David Garrett, der schnellste Geiger der Welt

Er ist der Popstar unter den Geigern: David Garrett interpretiert auch mal Michael Jackson – auch wenn bei seinem Freiburger Auftritt die Klassik im Mittelpunkt stehen wird. Ein Gespräch mit Garrett über den Crossover und sein junges Publikum.

  1. David Garrett und seine Freundin, das Model Jana Floetotto. Foto: dpa

  2. Ein gut aussehender Geiger: David Garrett Foto: dpa

Er sieht gut aus und ist laut Guinness-Buch der Rekorde der schnellste Geiger der Welt: Der Deutsch-Amerikaner David Garrett ist ein Popstar der Klassikszene. Auch weil er den Crossover nicht scheut und Songs etwa von Michael Jackson interpretiert. Am Montagabend gastiert er mit einem Klassikprogramm im Freiburger Konzerthaus. Begleitet von der Pianistin Milana Chernyavska spielt er Werke von Franck, Chausson, Grieg und Sarasate. Burkhard Schäfer sprach mit Garrett über seine Musik und sein Publikum.

BZ: Herr Garrett, spielen Sie Klassikkonzerte für die "Generation Klingelton"?
David Garrett: Ich finde es geradezu fantastisch, dass junge Leute ins Konzert kommen, die bisher keine Ahnung von klassischer Musik hatten. Das ist doch nicht schlimm, im Gegenteil, jeder fängt irgendwo mit etwas Neuem an. Die jungen Konzertbesucher kommen dann, weil sie mich im Fernsehen gesehen oder weil sie vielleicht die Crossover-Stücke der letzten Tour gemocht haben. Nun hören sie sich ein Klassikkonzert an und sind nicht etwa enttäuscht, sondern freuen sich über diese großartige Musik. Da hat das Ganze, was ich in den letzten Monaten aufgezogen habe, doch echt Sinn gemacht.

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BZ: Gelingt Ihnen der Wechsel zwischen Crossover und Klassik reibungslos?
Garrett: Wenn ich ein Crossover-Album herausgebracht habe und anschließend frisch mit Klassik auf Tour gehe, ist das wirklich unangenehm. Da befinde ich mich in einer Situation, wo die Leute teilweise noch die Crossover-Melodien im Ohr haben. Danach Klassik zu bringen, ist sehr schwierig, weil viele Zuhörer mit Vorurteilen ins Konzert gehen. Genau das erzeugt einen gewissen Druck. Aber der wird weniger, weil ich dieses Jahr eine Klassik-CD aufgenommen habe, die im Herbst erscheint. Sobald ich in der Serie der Klassikkonzerte wieder gut drin bin, kann ich eigentlich ganz entspannt in die Konzerte reingehen.
BZ: Auch im Klassikmarkt rückt der Künstler immer mehr ins Rampenlicht und tritt mit seiner Person vor die eigentliche Musik. Welche Konsequenzen hat das für Sie und Ihre Arbeit?
Garrett: Für mich als Künstler bedeutet das, dem Zuhörer Qualität zu bieten. Diese Verantwortung trage ich gerne, denn ich glaube, das ist nichts Schlimmes, wenn du wirklich mit dem Herzen bei der Sache bist und klassische Musik liebst. Es ist doch wunderschön, wenn die Leute deine Sachen kaufen, weil sie deinen Namen auf der CD lesen. Ich habe die Plattenfirma angehalten, die Klassikplatte mit dem Mendelssohn-Konzert aufzunehmen, obwohl man mir nahe gelegt hat, mehr Crossover zu machen, weil ich damit mehr verkaufen könnte. Aber das ist mir völlig egal. Ich bin ein Klassik-Künstler, und es war immer meine Vision, beides zu mischen.
BZ: Was verbirgt sich hinter dem Titel der CD, "Classical Romance"?
Garrett: Ich finde, der Titel passt gut zu meinem neuen Album, weil die Sachen, die ich arrangiert habe, sehr romantische Stücke sind und es wichtig ist, dass die Leute wissen, dass es etwas mit klassischer Musik zu tun hat. Es ist eben das Violinkonzert von Mendelssohn darauf, die Zigeunerweisen von Sarasate, Stücke von Dvorák und Rachmaninow. Es hat mir viel Spaß gemacht, einige Stücke für Sinfonieorchester neu zu arrangieren, hier ist die Grundidee bei mir immer Fritz Kreisler, der solche Sachen ebenfalls verwirklicht hat. Ich bin ja auf langfristigen Erfolg aus. Da muss man Geduld haben und in Ruhe versuchen, die Leute überzeugen zu können. Und im Endeffekt muss man viel Humor mitbringen (lacht).
BZ: Sie müssen den Klassikeinsteigern häufig noch das "Kleine Einmaleins’ der klassischen Musik beibringen...
Garrett: Ja, aber das ist in Ordnung. Ich wusste, dass so etwas auf mich zukommt und wollte es auch. Mir war vielleicht die Größe des Ausmaßes vorher nicht ganz klar, aber dafür lerne ich jetzt selbst immer dazu. Ich bemerke natürlich, dass der eine oder andere etwas missversteht. Ich kenne mein Publikum ja noch nicht ganz genau. Die Zufriedenheit der Konzertbesucher hat bei mir höchste Priorität.
BZ: Aber verliert nicht der eine oder andere zwischen Ihren Welten manchmal die Orientierung?
Garrett: Ich möchte nicht, dass einer meiner Konzertbesucher den Eindruck gewinnt, er hätte etwas gekauft, was er dann nicht auch bekommt. Für die Recital-Tour, die ich jetzt mache, habe ich mir die Flyer und Plakate wirklich noch mal alle genau zeigen lassen, ob klar und deutlich ausgeschildert ist, um was es geht.
  • Konzert: Freiburg, Konzerthaus, Montag, 20 Uhr.

Autor: dpa