Ein Virtuose mit Kondition

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Sa, 14. Juli 2018

Klassik

Der preisgekrönte polnische Organist Michal Kocot spielte beim Schopfheimer Orgelsommer.

Imponierend ist die Liste der Wettbewerbe, die Michal Kocot erfolgreich bestritten hat. Dass er zu den Spitzenleuten der jungen Organistengeneration gehört, demonstrierte der Virtuose aus Krakau beim Schopfheimer Orgelsommer. In diesem Festival ist es Brauch, dass die Preisträger des Wettbewerbs der Internationalen Orgelwoche Nürnberg zu Gast sind, wovon beide Seiten profitieren. Die Künstler erhalten Konzertmöglichkeiten und können ihren Bekanntheitsgrad steigern, und die Zuhörer kommen in den Genuss eines höchst kompetenten Interpreten.

So war es auch bei Kocot, der bei seinem Rezital in der Evangelischen Stadtkirche als barocke Klammerwerke Buxtehude und Bach wählte und im Mittelteil mit Mozart-Interpretationen und französischer Orgelsinfonik aufwartete. Im Präludium in fis von Buxtehude, einem "vorwärtsdrängenden, farbigen und dramatischen Stück", wie es Veranstalter Christoph Bogon genannt hatte, überzeugte Kocot durch klaren, präzisen Klang und hochdynamisches Spiel. Ausdrucksvoll in Klangfarben und Registerstimmen interpretierte Kocot "Tierce en taille" aus dem ersten Orgelbuch des Bach-Zeitgenossen Louis Marchand – von dem kolportiert wird, er habe einst vor einem "Wettstreit" mit Bach Reißaus genommen.

Auch für die magische Klanglichkeit der Musik von Jehan Alain bewies der polnische Organist ein Händchen. Einfühlsam führte er im Scherzo die Zuhörer mit schwebenden Klängen und flirrenden Farben in geheime Klanggärten, um dann die sprunghaften Stimmungswechsel kraftvoll darzustellen. Aus der fünften Sinfonie von Widor hörte man das "Allegro Vivace", in dem Kocot die Farbigkeit und den mächtig aufbrandenden sinfonischen Klang wirkungsvoll entfaltete.

Als Meister der zarten Töne auf der Orgel erwies sich der junge Organist, der in Krakau, Freiburg und Stuttgart studiert hat, im Andante F-Dur und in der Fantasie f-Moll von Mozart. Komponiert wurden diese Stücke für "ein Orgelwerk in eine Uhr", für eine Flötenuhr, in der mittels Walzen die Musik zum Klingen gebracht wurde. Kocot verstand es im Andante wunderbar subtil, diese zierlichen Klänge und zarten Farben auf der Orgel feinsinnig umzusetzen. In der technisch diffizilen Fantasie f-Moll mit ihren fein getönten Passagen und dem virtuos-bewegten Teil bestach Kocots klanglich ausgefeilte Darstellung und sein enorm quirliges, in allen Details genaues Spiel.

Im Schlussblock empfahl sich Kocot als veritabler Bach-Spieler. Das Allegro aus der fünften Sonate klang bei ihm leichthändig fließend, den Choral "Wenn wir in höchsten Nöten sein" ließ er kontemplativ klingen. In Bachs "himmelstürmendem" Präludium und Fuge G-Dur BWV 550 machte Kocot hörbar, dass "sich hier der junge Bach an der Orgel ausgetobt hat", wie es Bogon bezeichnete. Technisch brillant, mitreißend in der Agilität, auch packend im Pedal, spielte Kocot dieses Werk, baute die Fuge durchsichtig auf. Und zeigte am Ende des kräftezehrenden Programms bewundernswerte Kondition und Virtuosenqualität, was das Publikum mit lang anhaltendem Beifall und Bravorufen quittierte.

Termin: Das nächste Konzert im Schopfheimer Orgelsommer gestaltet Jan Dolezel am Donnerstag, 19. Juli, 20 Uhr, in der Evangelischen Stadtkirche.