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12. August 2017

Fein abgedunkelte Höhe

Die Sopranistin Siri Karoline Thornhill mit Grieg-Liedern auf CD.

  1. Thornhill Foto: Marco Borggreve

Die Diskographie ist vergleichsweise klein: Edvard Griegs Liedschaffen findet auf Platte wenig Nachhall. Die Reduktion des norwegischen Romantikers auf "Volkston" lenkte das öffentliche Interesse vor allem auf seine Volkstänze. Und auf "Peer Gynt". Dabei entgeht den meisten, wie vorzüglich der Komponist Sprache musikalisch zu behandeln versteht, wie er deren Konnotation in Stimmungen umsetzt. Die rechten Interpreten vorausgesetzt. Wie Siri Karoline Thornhill. Eine bessere Botschafterin als die englisch-norwegische Sängerin mit Wohnsitz in Südbaden kann man sich kaum vorstellen.

Ihr lyrischer Sopran hat bei aller Leuchtkraft eine ganz zarte, schlanke Fokussierung, die ihr selbst in der Höhe noch ein feines Abdunkeln des Tones erlaubt. Sehr schön deutlich wird das beim einzigen Nicht-Kunstlied auf ihrer neuen Grieg-CD – Solveigs Wiegenlied aus "Peer Gynt". Wie das dunkle Timbre der Melancholie im ersten Teil im Mittelteil umschlägt in ein kontrolliertes Aufwallen – nicht Aufschreien: Das hat Klasse und macht die Sängerin zu einer großen Interpretin dieser Figur. Und Reinhild Mees spiegelt diese Emotionen am Klavier in bewegender Klanglichkeit wider – eine erstklassige Begleiterin. Die das Bächlein in "Am Bergbach" aus dem Zyklus "Haugtussa" op. 67 ebenso klangmalerisch murmeln lässt, wie sie mit ihrem Spiel in den "Sechs Liedern" op. 48 auf Gedichte von Heine, Goethe, Geibel, Uhland, Walther von der Vogelweide und Bodenstedt fast beiläufig unterstreicht, wie nah Grieg, der in Leipzig studierte, dem Klaviersatz der deutschen Romantiker zwischen Schumann und Richard Strauss ist.

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Den "typischen" Grieg erlebt man in den anderen Zyklen, ob bei "John Paulsen" oder "Vilhelm Krag". Oder eben in "Haugtussa" (Ein Mädchen der Berggeister), in dem der Komponist mühelos die Qualität seiner "Peer Gynt"-Musik erreicht. Thornhill ist die kongeniale Botschafterin dieser nordisch-mythischen Welt. Ob beim versonnen-träumerischen "Veslemöy", ob bei der von jugendlich-frischer Naivität erfüllten "Liebe" oder beim "Zickeltanz": Dessen Wechsel von spielerischen Staccato-Klängen und retardierenden Momenten gerät den beiden Interpretinnen zu einem Höhepunkt dieser rundum gelungenen, mit Deutschlandfunk Kultur koproduzierten Aufnahme. Ein Muss für alle Freunde des Kunstlieds – und Edvard Griegs!

Edvard Grieg: Songs. Siri Karoline Thornhill, Reinhild Mees (Ars).

Autor: Alexander Dick