Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

26. September 2016

Im Bann der Interpretationen

Lieder mit Daniel Johannsen im Krafft-Areal in Schopfheim.

  1. Daniel Johannsen Foto: Frey

Schön, dass in der Reihe "Klassik im Krafft-Areal" in Schopfheim in jeder Saison das intime Genre des Kunstliedes gepflegt wird. Und noch schöner, wenn, wie beim Liederabend mit dem Wiener Tenor Daniel Johannsen und dem Berner Pianisten Simon Bucher, einmal Lieder des Schweizer Komponisten Othmar Schoeck zu hören sind. Der Liedkomponist Schoeck ist noch zu entdecken, viel zu selten werden seine Liedschöpfungen aufgeführt. Daniel Johannsen und sein Klavierpartner waren die idealen Interpreten, um in einer Auswahl verschiedener Liedzyklen die irisierende und interessante Klangwelt und die starke lyrische Qualität der Schoeckschen Lieder feinfühlig den Zuhörern nahezubringen. Sind die frühen Werke noch von Schumann und Brahms inspiriert, weisen die späten über die Spätromantik schon in die Modernität hinein, etwa die "Neujahrsglocken".

Mit seinem lyrischen Timbre, seiner hellen Stimme, klarer Intonation und präziser Textverständlichkeit erwies sich Johannsen als sensibler Liedgestalter sowohl für Schoeck als auch, im zweiten Teil, für Schubert. In Simon Bucher hat der Sänger einen differenziert spielenden Pianisten an seiner Seite, der diese Liedpreziosen vom Klavier her schön koloriert. Im Schubert-Teil hatte das Duo nicht die gängigen, sondern eher unbekanntere Schätze aus Schuberts Liedschaffen ausgesucht. Empfindsam und wunderbar auf lyrischer Gesangslinie fühlt sich Johannsen in die seelenvolle Liedlyrik hinein. Jede Stimmung wird emotional durchlebt, jede dieser kostbaren Miniaturen klingt sorgfältig ausformuliert und plastisch in der Wortdeutlichkeit. Im Frühlingstraum klingt Johannsens Stimme voller Leichtigkeit, im Erntelied voller praller Vitalität, in "An den Mond in einer Herbstnacht" voller poetischer, versonnener Zartheit. Auch das Melancholische in dem Lied "Am See", die Atmosphäre von Vergänglichkeit und Einsamkeit, die in Schuberts Liedern oft mitschwingt, fängt der Sänger subtil ein. Vor allem der suggestive Sog in "Auflösung" mit dem Ruf "Geh unter, Welt" zog in der aufwühlenden und mitfühlenden Interpretation in Bann. Begeisternd auch die drei Zugaben, darunter Schuberts stimmungsvoll-poetisches "Berthas Lied in der Nacht".

Werbung

Autor: Roswitha Frey