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13. November 2012

Klangschönheit und Homogenität

160 Sängerinnen und Sänger aus den drei Kantoreien Schopfheim, Lörrach und Rheinfelden traten in Schopfheim auf.

  1. Imponierende Klangfülle: geistliche Gesänge aus der Romantik Foto: Roswitha Frey

160 Sängerinnen und Sänger aus den drei Kantoreien Schopfheim, Lörrach und Rheinfelden vereinigten sich zu einer Chorgemeinschaft von überwältigender Klangfülle, Klangschönheit und Homogenität. Optisch und klanglich bot dieser monumentale Chor beim gefeierten Auftaktkonzert des Projekts "Romantik XXL" unter Leitung von Kirchenmusikdirektor Christoph Bogon in der vollbesetzten Evangelischen Stadtkirche Schopfheim einen Eindruck imponierender Größe.

Die drei Kantoren Christoph Bogon, Rainer Marbach und Herbert Deiniger nutzten im Jahr der Kirchenmusik die einmalige Chance, mit ihren Kantoreisängern geistliche Gesänge aus der Romantik in authentischer großer Besetzungsstärke aufzuführen – so wie diese Chorwerke ursprünglich gedacht waren. Was der meisterhafte Dirigent Christoph Bogon aus dem Riesenchor an großem romantischem und doch transparentem Klang herausholt, ist bewundernswert.

Allein schon, wie Bogon mit feinsten Handbewegungen jede Wendung präzise nachzeichnete, war ein Erlebnis. Und wie die Chorsängerinnen und -sänger mitzogen, war phänomenal. Es zeugte von intensiver Detailarbeit, wie der Chor in den A-cappella-Motetten eines Mendelssohn, Bruckner, Rheinberger und Reger die Pianostellen, die Übergänge, Crescendi und Spannungsbögen gestaltete und wie genau ausgehört jede einzelne Wortstelle klang. Auch der für die solistischeren Passagen gebildete Coro piccolo beeindruckte durch stimmliche Qualität.

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Nie hätte man für möglich gehalten, dass ein 160-köpfiger Chor so subtil, so fein nuanciert in den Klangschattierungen klingen kann wie diese Chorgemeinschaft. Schon Mendelssohns Psalm 100 "Jauchzet dem Herrn" war so klangschön gesungen, dass jedem Chorfreund das Herz aufging. Auch in "Richte mich, Gott" und "Warum toben die Heiden" mit dem zugefügten Gloria Patri aus Mendelssohns drei Psalmen op. 78 beeindruckte dieser prächtige, erfüllte und gewandte Chorgesang. Die an barocker Mehrstimmigkeit orientierten Psalm-Motetten wurden in kräftiger Diktion gesungen, mit aufleuchtendem Klang, wenn sich etwa an der Stelle "Sende dein Licht" die volle Achtstimmigkeit entfaltet. Als Meisterwerke sakraler Chormusik erwiesen sich Bruckners A-cappella-Motetten, die Gradualien "Locus iste" und "Os justi", in denen Bogon mit dem Chor die ruhigen Teile sublim anging und die Steigerungen und das Zurücksinken in die Ruhe behutsam ausgestaltete. Eine Repertoire-Entdeckung waren die Werke weniger bekannter Komponisten, etwa Carl Gottlieb Reissigers "In die angustiae" und August Büntes in zartestem Piano anhebende trauererfüllte "Klage über Jerusalem".

Die effektreichste Klangwirkung hatte als zentrales Werk Giacomo Meyerbeers 91. Psalm "Trost in Sterbensgefahr" mit dem Tenor Karl-Heinz Brandt und der Sopranistin Jacqueline Forster als Solisten. Mit bewegenden Crescendi singt der Chor diese Psalm-Komposition, in der Gott als Burg und Zuversicht gepriesen wird. Herrlich erheben sich Brandts Tenorstimme und Forsters lichter Sopran an der Stelle "Denn er hat seinen Engeln befohlen" in aufschwingender Linie.

Auch die Sologesänge mit Orgelbegleitung fügten sich in den romantischen Kontext. Ernst und eindringlich sang Karl-Heinz Brandt einige Biblische Lieder von Dvorák auf Psalmtexte und brachte in ruhiger Deklamation den gebetsartigen Charakter der Lieder zur Geltung. Berührend klangen die von Jacqueline Forster gesungenen Wolf-Lieder "Gebet" und "Schlafendes Jesuskind". In einem Duett aus Mendelssohns Lobgesang-Kantate fanden Tenor- und Sopranstimme inspiriert zusammen. An der Voit-Orgel begleitete Kantor Herbert Deininger die Solisten mit feinfühligen Registrierungen. Der Chor schloss mit Regers Nachtlied und Rheinbergers Abendlied als Zugabe nach den verdienten Ovationen dieses Konzert, das als Chorereignis des Jahres gelten kann und die Zuhörer so erfüllt wie selten entließ.
– Weitere Konzerte am 17. November, 20 Uhr, Christuskirche Lörrach, und 18. November, 18 Uhr, Pfarrkirche St. Josef Rheinfelden, Leitung: Rainer Marbach

Autor: Roswitha Frey