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07. Februar 2012
Kommentar
Keine Orchideen im Gärtchen
Der SWR diskutiert die Fusion seiner Sinfonieorchester. Das Ganze wäre ein Wagnis mit ungewissem Ausgang. Künstlerisch gesehen wäre ein neu zu schaffender Klangkörper ein Nobody. Auch auf internationaler Ebene.
Hiobsbotschaften kommen immer zur Unzeit. Diese besonders. Wenige Monate nachdem die beiden neuen Chefdirigenten der SWR-Referenzklangkörper in Stuttgart und Freiburg/Baden-Baden mit einer äußerst fruchtbaren künstlerischen Arbeit begonnen haben, dringt von der Anstaltsleitung die Kunde, dass man sich womöglich beide Orchester gar nicht mehr leisten kann.
Man kann darüber streiten, ob es guter Stil ist, Abteilungsleiter kurz nach der Einstellung damit zu konfrontieren, dass ihre Abteilung möglicherweise gar nicht mehr gebraucht wird. In der Wirtschaft passiert das oft genug. Aber da gibt es keine anderen Größen als Gewinn und Verlust, und so gesehen ist ein Orchester natürlich ein Kostenfaktor. Rund ein Prozent am SWR-Gesamtetat nimmt etwa das hiesige Orchester ein. Gut möglich, dass Rundfunkräte sich da fahrlässig mit dem Rotstift überzeugen lassen. Doch in der Kunst funktionieren Gleichungen nicht nach mathematischen Prinzipien. Was wäre denn ein neu zu schaffender SWR-Klangkörper? Künstlerisch gesehen – ein Nobody. Auch auf internationaler Ebene. Ein Wagnis mit ungewissem Ausgang.
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Wohlverstanden: Die Sparvorgaben beim SWR sind kein Jux, die Sorgen der Öffentlich-Rechtlichen nachvollziehbar. Aber es scheint, als sei man bereit, dem Zeitgeist folgend, allzu leicht sein Tafelsilber aufs Spiel zu setzen. Bildungsauftrag, Sendeauftrag, Kulturauftrag: Die SWR-Klangkörper sind keine Orchideen im Rundfunk-Gärtchen mit Schutzzaun, sie haben daran mehr Anteil als jede SWR-3-Partynacht und sonstiges Quotenschielen. Apropos: Die Quoten der Rundfunkorchester sind gar nicht so schlecht. Die Auslastung der Abo-Konzerte in Freiburg liegt bei 90 Prozent. Auch für die Region ist ein Klangkörper wie das SWR-Sinfonieorchester ein Standortfaktor. Steht da ein neuer Konflikt Baden vs. Württemberg bevor? Aber vielleicht geht es ja auch vernünftiger. Mit Argumenten.
Autor: Alexander Dick
