KRITIK IN KÜRZE

Fabian Ober

Von Fabian Ober

Di, 19. September 2017

Klassik

Krozinger Schlosskonzert mit Mahan Esfahani

Musikalisch angemessener kann man einen 30. Todestag nicht begehen wie für den bekannten kanadischen Cembalisten Bradford Tracey. Neben seinen Lehrern Fritz Neumeyer – dem Gründer der Schlosskonzerte Bad Krozingen – und Rolf Junghanns war er der dritte maßgebliche Akteur dieser Reihe und der an diesem Ort ansässigen, hochwertigen Sammlung historischer Tasteninstrumente. Die musikalische Andacht also einer aktuellen Lichtgestalt der Cembalo-Szene, Mahan Esfahani, zu übertragen: äußerst sinnig. Bereits 2016 war der vielgelobte Iraner in Bad Krozingen zu Gast, in diesem Jahr eröffnete er mit dem Tracey-Gedenkkonzert im Festsaal die "Festlichen Tage Alter Musik". Dieses Mal konzentrierte er sich schlicht auf Bach: dreimal Johann Sebastian, einmal Wilhelm Friedemann, der älteste Sohn des Großmeisters. Die beiden hochvirtuosen Englischen Suiten BWV 806 und 807 des Vaters: Da ist Zunder drin. Esfahani, am zweimanualigen Cembalo-Nachbau eines Hamburger Instruments von Christian Zell aus dem Jahr 1728, registriert unnachahmlich farbig-vielseitig und bindet Strukturen und Töne faszinierend plastisch aneinander – seine Lehrerin Zuzana Ružicková lässt da grüßen. Die Tempi: teils höllisch. Spätestens mit der technisch formidabel gelösten Toccata BWV 910 und dem an Intensität kaum zu überbietenden Prélude der zweiten Suite ist klar: Das gehört sich so. Bei den technisch-historischen Fertigkeiten fehlt es Mahan Esfahanis Spiel nie an dem Willen, das Cembalo fernab von Klang-Ideologien ins Heute zu bringen. Auch in den drei Polonaisen Wilhelm Friedemanns, anvertraut einem Hammerflügel von 1780: Empfindsam erregt, bis zum Bersten gespannt, ist sein Blick auf tönende Aktualität gerichtet.