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05. Dezember 2014

Lob von Orgel und Buchdruck

Freiburg: Die Schütz-Kantorei mit Mendelssohn und Franck .

Zwei romantische "Lobgesänge" waren angekündigt. Doch von unerfüllter Sehnsucht oder Weltflucht hatte das Programm wenig. Sowohl César Francks Psalm 150 als auch Mendelssohns Sinfonie Nr. 2 sind weltzugewandte Auftragskompositionen: Francks Psalm-Vertonung wurde 1884 anlässlich der Einweihung einer neuen Orgel uraufgeführt, Mendelssohns Opus, eine Mischung aus Sinfonie und geistlichem Chorwerk, entstand 1840 im Rahmen der 400-Jahr-Feier der Stadt Leipzig zur Erfindung des Buchdrucks. Beide Werke haben festlichen Charakter, und die Heinrich-Schütz-Kantorei brachte diesen mit ihrem Chef Bernd Scharfenberger in der Freiburger Herz-Jesu-Kirche kraftvoll zum Ausdruck.

Francks Psalm beginnt leise und geheimnisvoll, steigert sich langsam zu einem großen Halleluja. Beeindruckend, wie gleich zu Beginn der Streicher- und Orgelklang miteinander verschmolzen. Insgesamt fand Scharfenberger auch die richtige Balance zwischen Chor und Orchester. Bemerkenswert war zudem die gute Artikulation des französischen Textes. Textverständnis und musikalische Gestaltung gingen auch bei Mendelssohns "Lobgesang" Hand in Hand. Hier liegt sicher eine Stärke des Chors. Andererseits wurden die Konsonanten an einigen Stellen leicht übertrieben. Die dynamischen Höhepunkte klangen mitunter forciert, zudem machte sich, so beim Choral "Nun danket alle Gott", das Ungleichgewicht zwischen Frauen- und Männerstimmen bemerkbar.

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Dennoch war es eine gelungene Aufführung, was am vollen und warmen Gesamtklang des Chores, aber auch an einem hervorragenden Orchester und beeindruckenden Solopartien lag. Das Projektorchester der Heinrich-Schütz-Kantorei brillierte trotz der halligen Akustik der Kirche mit einem fein austarierten Klang. Meike Leluschko (Sopran) und Marie Christine Köberlein (Sopran) gelang als Duett ein inniges "Ich harrete des Herrn". Javier Alonso (Tenor) überzeugte mit einer durchdringenden, strahlenden Stimme und dramatischer Ausdruckskraft.

Autor: Nikola Mirkovic