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04. September 2012 00:03 Uhr

Interview

Mezzosopranistin Elina Garanca über Familie und Karriere

Es ist wie ein kleines Comeback: Nach ihrer Babypause hat die 35-jährige Mezzosopranistin Elina Garanca eine neue CD aufgenommen. Ein Interview.

  1. Eine Stimmbesitzerin: Elina Garanca Foto: Paul Schirnhofer(DG)

BZ: Frau Garanca, Sie haben zum ersten Mal in Ihrer Karriere eine mehrmonatige Pause gemacht, weil Sie im Herbst ein Kind bekommen haben. Wie ist das für Sie, wieder in den Klassikbetrieb zurückzukommen?
Elina Garanca: Man ist angespannt, weil man nicht genau weiß, ob man fit genug ist. Der Körper hat sich durch die Schwangerschaft verändert. Künstlerisch habe ich nicht gefühlt, dass da eine echte Pause war – ein halbes Jahr ist ja auch nicht so lange.

BZ: Haben Sie ein wenig mehr Distanz zum Klassikbusiness bekommen?
Garanca: Auf jeden Fall. Durch eine Geburt verändert man sich schon stark. Die Karriere ist zwar nicht nebensächlich geworden, aber im Vordergrund steht nun klar die Familie. Man geht viel entspannter mit dem Beruf um.

BZ: Als Sängerin haben Sie viele langfristige Verpflichtungen. Ihr Mann Karel Mark Chichon ist Chefdirigent von zwei Sinfonieorchestern in Saarbrücken und Riga. Wie lösen Sie das mit Ihrer Tochter?

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Garanca: Zur Zeit läuft es noch gut, weil das Kind noch nicht in die Schule geht. Der Alltag muss eben nun viel genauer geplant werden. Kinderbetten im Hotelzimmer, Kindersitze im Auto et cetera. Unsere Nanny lebt mit uns gemeinsam. Das war auch für mich wichtig, dass meine Tochter immer die gleiche Person um sich hat. Aber ich bin ja auch nicht die erste und nicht die letzte Sängerin, die das organisieren muss. Man überlegt jetzt aber schon viel länger, ob man Angebote zusagt. Und man bespricht das mit dem Partner. Als ich in Salzburg war, war mein Mann zu Hause.

BZ: Sie haben eine neue CD mit dem Titel "Romantique" aufgenommen. Ihre letzten Alben standen alle unter einem Motto wie "Belcanto" oder "Habanera". Warum "Romantique"? Und warum dieses Album mit französischen Arien?
Garanca: Das ist nicht so einfach mit den Titeln. Wenn das Album nur in Deutschland herauskommen würde, hätten wir vielleicht einen anderen Titel gewählt. Aber der Titel sollte ja in vielen Sprachen gut auszusprechen sein und so verständlich, dass sich viele etwas darunter vorstellen können. Die Arien, die auf der CD sind, stellen für mich eine neue Stufe innerhalb meiner Entwicklung da. Bis auf zwei Hosenrollen handeln alle Arien von Frauen, die mit Liebe konfrontiert sind. Es geht um starke, romantische Gefühle – die ja durchaus unterschiedlich sind. Für den einen ist Romantik, wenn ein Mann mit einem Strauss roter Rosen vor einer Frau kniet. Für den anderen ist eine Liebe romantisch, wenn sich jemand aus Liebeskummer von einer Brücke stürzt.

BZ: In Ihren Konzerten steht oft Ihr Mann am Dirigentenpult. Ist er Ihnen musikalisch so vertraut wie privat?
Garanca: Nun, er ist einer der wenigen Dirigenten, die der Überzeugung sind, dass Proben einen besser machen. Meine wichtigsten Programme bereite ich mit ihm vor, weil er sich viel Zeit nimmt. Natürlich kommt auch eine private Komponente hinzu, weil er schon morgens weiß, wie ich gerade bei Stimme bin und wie er mich am Abend begleiten muss. Wir sind auch musikalisch sehr vertraut miteinander, da wir schon so viele Programme zusammen gemacht haben. Er kennt sich auch sehr gut mit Tonarten aus, er war ja früher professioneller Organist. Er transponiert Lieder für mich, wenn er meint, dass sie in der anderen Tonart besser zu meiner Stimme passen.
BZ: In Ihrem engsten Umfeld sind viele Musiker. Ihre Mutter ist Gesangslehrerin, Ihr Vater Chordirigent. Ist das schön oder kann das auch nerven?
Garanca: Beides. Man hört die Kritik, die man gar nicht hören will. Manchmal ist man nach einer Vorstellung ganz beflügelt und fragt enthusiastisch: "Wie war’s?". Und die Antwort ist: "Die Intonation an der Stelle war schlecht, dieser Übergang war zu schnell und diese eine Bewegung völlig unglaubwürdig." Dann ist man natürlich etwas zickig in dem Moment. Aber man weiß auch, dass das die einzige Person ist, die dir die Wahrheit sagt. Je höher man steigt, desto mehr Jasager gibt es. Und das ist nicht unbedingt gesund. Ich muss auch meinen Mann nicht erklären, dass ich vor einer Premiere nicht aus dem Haus gehe oder nicht reden möchte. Er weiß, ich habe Konzert, ich bin aufgeregt – und gibt mir den Raum.

– Die Mezzosopranistin Elina Garanca wurde 1976 in der lettischen Hauptstadt Riga in eine musikalische Familie hinein geboren. Ihren internationalen Durchbruch hatte sie 2003 in Salzburg. Sie ist verheiratet und hat eine Tochter.

Autor: Georg Rudiger