Mit Leichtigkeit

Mirko Rechnitzer

Von Mirko Rechnitzer

Mi, 12. Dezember 2018

Klassik

Händels "Messiah" bei der Heinrich-Schütz-Kantorei.

Gleichsam wie ein Jahrestag: "Nach fast genau 47 Jahren" präsentierte sich die Heinrich-Schütz-Kantorei wieder im Advent mit Händels "Messiah" und zudem an der Stätte ihres Beginns: in der Freiburger Christuskirche. Cornelius Leenen, der seit einem Jahr Leiter des zweitältesten Freiburger Konzertchores ist, griff mit Händels Oratorium ein weiteres Mal ein Projekt der Vorgänger auf.

Der Eindruck, dass dabei aber nur aufgewärmt wurde, blieb fern, vielmehr konnte sich das Ergebnis der Stimmbildungs- und Probenarbeit Leenens zeigen: Die Sängerinnen und Sänger boten einen feinen, durchsichtigen, aber spannungsvollen Stimmklang; seltener fielen Härten in der Höhe unangenehm auf. Auch geschwinde Koloraturen wurden mit einer Leichtigkeit ausgeführt, deren Grenzen erst bei sehr fordernden Girlanden wie in "His yoke is easy" auffällig wurden. Weitere Arbeit an den sprachlichen Aspekten – prägnantere und koordinierter ausgeführte Konsonanten und einheitliche Vokalfarben – kann den Gesamtklang nochmal bedeutend anheben.

Besonders in den Partien der Solisten verlangt das Oratorium einen gemessenen und energievollen, und dennoch mit Leichtigkeit beseelten Einsatz der Stimme. Diesen Forderungen war die Besetzung des Abends gut gewachsen: Gudrun Otto im Sopran, Hanna Roos im Alt, Nikolaus Pfannkuch im Tenor und Tomáš Král im Bass boten überzeugende Interpretationen, die sie mit angemessenen Verzierungen abrundeten.

Qualitativ entsprechende instrumentale Unterstützung erhielt man durch ein größtenteils studentisches Ensemble von Streichern und Bläsern. Im Klang vermissen konnte man das nur im Programmheft erwähnte Cembalo, doch war das Orchesterspiel auch mit gutem Orgelcontinuo noch lebendig und ausgewogen. Fein und flexibel spielten die Streicher auf ihren Darmsaiten; die scharf punktierten Rhythmen wurden feurig gestrichen. Beim "Gloria" hatten barocke Trompeten ihren ersten feierlichen Auftritt auf der Empore. Mit dem beschließenden "Amen" endete eine eindrucksvolle Darbietung, bei der trotz fehlender Pause kaum ein Zuhörer die knappen drei Stunden gespürt hat.