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31. Januar 2012

Neues vom Wunderkind

NEU AUF CD: Erich Wolfgang Korngolds "Die stumme Serenade" und "Die tote Stadt".

  1. Sarah Wegener und Frank Buchwald in der Freiburger „Stummen Serenade“ Foto: doradzillo

Es scheint, als sei Erich Wolfgang Korngold (1897–1957) noch immer Opfer seiner eigenen Vielseitigkeit. Entweder kaum beachtet oder harsch kritisiert: Der österreichisch-jüdische Komponist, erst als Wunderkind-Pianist apostrophiert, später einer der bedeutendsten Opernschöpfer der 1920er, dann in Hollywood Verfasser von Oscar-prämierten Filmmusiken wie zu "Anthony Adverse" oder "The Adventures of Robin Hood" gehört zu den wenigen seiner Zunft, die sich ebenso zwanglos wie virtuos zwischen E- und U-Musik bewegen konnten. Dass so einer sich ab Mitte der 1940er Jahre im Exil in den USA verstärkt der absoluten Musik zuwenden konnte und zeitgleich ein deutlich in der Wiener Operette verwurzeltes Singspiel schrieb – das kann selbst das 21. Jahrhundert immer noch nicht so richtig nachvollziehen.

Nun ist jene erst 1954 in Dortmund uraufgeführte "Stumme Serenade" sicher kein Werk des Aufbruchs. Auf die Kritik der Nachkriegszeit muss die "Musikalische Komödie" eher wie ein reaktionäres Machwerk gewirkt haben. Dabei war sie wohl nichts anderes als eine charmante Reminiszenz an die untergegangene Epoche des Konversationslustspiels Wiener Prägung. Die von Klaus Simon geleitete Freiburger Young Opera Company und Holst-Sinfonietta haben das mit ihrer szenischen Produktion des Stücks vor knapp drei Jahren bereits unterstrichen. Die nunmehr bei cpo vorliegende, darauf basierende Gesamtaufnahme lässt noch einmal intensiver nachvollziehen, wie Korngold mit ein paar musikalischen Pinselstrichen das Kolorit einer anspruchsvollen, augenzwinkernd subtilen leichten Muse hervorzaubern konnte. Der instrumentale Part dieser Produktion ist von graziler Schönheit und Melancholie, aber auch Schmiss – immer verbunden mit ein bisschen Sexappeal. Und auch wenn viele Nummern nicht übers Dutzendmaß der Gattung hinausragen: Simon führt exemplarisch vor, wie ihre handwerkliche Qualität durch sorgfältiges Musizieren offenbar werden kann. Bei den Stimmen gefällt Sarah Wegeners intimer Sopran am besten, während kleine stimmliche Mängel bei den anderen Sängern in der auch technisch bemerkenswerten Aufnahme deutlicher zu Tage treten als auf der Bühne.

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In Korngolds Meisterwerk, seiner lyrisch-expressiven Oper "Die tote Stadt" gebührt dem Vokalpart ein ganz anderes Gewicht. Die jüngste Gesamtaufnahme, basierend auf Live-Mitschnitten einer Produktion der Frankfurt Oper von 2009, darf hier getrost als Idealfall genannt werden. Tatiana Pavlovskayas ganz verinnerlichte Marietta, Michael Nagys galant-markanter Frank und Fritz und nicht zuletzt Klaus Florian Vogts sensibel-lyrischer Paul setzen hier ebenso Maßstäbe wie Interpreten mit Freiburger Vergangenheit wie Hedwig Fassbender (Brigitta) oder Julian Prégardien (Victorin). Und Sebastian Weigle und das Opern- und Museumsorchester unterstreichen mit ihrer tiefschöpfenden, aufwallend dramatisch-sinfonischen Interpretation, dass Korngold eben nicht nur ein vielseitiger war. Sondern auch ein Großer.
– Erich Wolfgang Korngold: Die stumme Serenade. 2 CDs (cpo). Die tote Stadt. 2 CDs (Oehms).

Autor: Alexander Dick