Schweres Blech mit farbenreichem Klang

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

Di, 22. Januar 2019

Klassik

Die Auftritte der Blechbläser des Basler Festivalorchesters in Kirchen in Lörrach und Schopfheim zogen ein großes Publikum an.

Von Bach bis Gershwin, von Barock bis Swing reichte das vielfarbige Spektrum, das die Blechbläser des Basler Festivalorchesters bei ihren festlichen Neujahrskonzerten am Samstag in der gut besuchten Kirche St. Bernhard in Schopfheim und am Sonntag in der übervollen Kirche St. Bonifatius in Lörrach entfalteten. Dort war der Andrang so groß, dass etliche Zuhörer nur noch Stehplätze bekamen.

Spieltechnisch in glänzender Form präsentierten sich die Trompeter Jochen Weiss, Christian Glogau, Jean Claude Andre und Matthias Kümin, die Posaunisten Jürgen Burmeister, Laszlo Villanyi, Christoph Schiltknecht und Fabian Grabert, Hornistin Julia Benz und Cyrill Schaub an der Tuba in komplexen Arrangements von Orgel- und Orchesterwerken. Schweres Blech und großer imponierender Klang erfüllte den Kirchenraum in Bachs Toccata d-Moll, die in dieser Bläserversion eine nicht minder grandiose und faszinierende Wirkung machte wie im Orgeloriginal.

Wenig ist von dem englischen Komponisten John Bull aus dem späten 16. Jahrhundert überliefert. Dass seine Stücke wie das schnelle Jagdstück "The King‘s Hunting Jigge" aber musikalisch originell und entdeckenswert sind, demonstrierten die Blechbläser eindrücklich. Die venezianische Mehrchörigkeit, wie sie einst im 16. Jahrhundert in San Marco gepflegt wurde, zelebrierten die exzellenten Bläser in der "Canzon Duodecimi Toni a 10" von Giovanni Gabrieli. Verteilt in Bläserchören im Raum, entfalteten die Musiker in diesem Prachtstück einen beeindruckenden Raumklang-Effekt. Sozusagen "das erste Dolby-Surround-System", wie es Trompeter und Moderator Jochen Weiss launig nannte.

Die brillanten "Schwermetaller" können auch einen farbenreichen orchestralen Klang entwickeln, wie sie in den Polowetzer Tänzen aus der Oper "Fürst Igor" von Alexander Borodin vorführten. Dynamisch bewegt im Klang spielten die Bläser diesen schnellen Tanz, der sich zu einem Freudentanz steigert.

Auch die Herausforderung, einen Orgelklassiker wie die Suite Gothique von Leon Boellmann in Bläserfassung zu übertragen, meistern die Musiker höchst differenziert und nuanciert in den Satzgestaltungen. Gewichtig, kraftvoll und erhaben klang die Introduktion, wunderbar beweglich im Blech und tänzerisch-rhythmisch akzentuiert das Menuett. Im innigen Gebet "Prière a Notre Dame" beeindruckte das Ensemble mit nobler Bläserkultur, weichen Bögen und warmem, kantablem Klang. Und in der berühmten Toccata mit ihrem sich ständig steigernden Tempo spielten die Bläser furios, mächtig und strahlkräftig auf. Auch dem Libertango von Astor Piazzolla verliehen die Blechbläser in einem raffinierten Arrangement eine ganz eigene Note. Wie es der Moderator so schön erklärte, hat der Erfinder des Tango Nuevo die traditionelle Form des Tangos mit Elementen aus Jazz und klassischer europäischer Musik aufgemischt. Rhythmisch einfühlsam und akzentuiert spielten die Bläser diesen Tango, in dem über den klaren Strukturen eine Improvisation läuft: tolles Tangofeeling in Brass.

Mit geschmeidigem Sound gefielen die Blechbläser in zwei Stücken aus der Oper "Porgy and Bess" von George Gershwin. Weich, erdig, sinnlich und bluesig in den Trompeten mit Dämpfern und kleinen Blue Note-Schlenkern der Posaunen spielten sie "Summertime", die "am meisten gecoverte Arie aller Zeiten", wie es Weiss nannte. Swingend, spritzig und in blendender Bläserlaune interpretierten die Bläser "I Got Plenty o‘ Nuttin", einen weiteren Gershwin-Klassiker aus dieser Oper. Für den starken Beifall bedankten sich die Blechbläser mit Tschaikowskys "Trepak", dem russischen Tanz aus dem Nussknacker. Der Erlös aus dem Lörracher Auftritt in der Benefizreihe Con Boni kommt der Trauerbegleitung für Kinder und Jugendliche zugute.