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14. Januar 2013

Seelisch bewegt

Der renommierte Organist Franz Lehrndorfer ist tot.

Er war ein Improvisator comme il faut. Einer, der mit Fantasie und höchster Lust am Spiel aus allem etwas machte – ganz gleich, ob das ein Volks- oder Kinderlied oder auch ein altehrwürdiger Choral war. Der Münchner Domorganist Franz Lehrndorfer war ein Großmeister der Stegreifkunst. 2003 bei seinem letzten Konzert im Freiburger Münster bildete der katholische Hit "Ein Haus voll Glorie schauet" das Thema. Und zwar durchaus nicht ganz ohne Augenzwinkern. Immer wieder erlebte man den gebürtigen Salzburger auch als einen Könner beim profunden Auslegen der gewichtigen Orgelliteratur. Bei Bach, bei Max Reger. Besonders bei Letzterem erwies sich Lehrndorfer stets als ein Interpret, der das erbrachte, was der Komponist erklärtermaßen wollte: den lebendigen, ausdrucksvollen und vor allem seelisch bewegten Vortrag.

Lehrndorfer, der 1957 den renommierten ARD-Wettbewerb gewonnen hatte, lehrte (zeitweise mit Karl Richter) als Professor an der Musikhochschule München und war zudem von 1969 bis 2002 Domorganist an der Liebfrauenkirche. In seine Amtszeit fiel dort 1994 der Bau der neuen viermanualigen Jann-Orgel. Wenn es in neuerer Zeit in Deutschland einen Organisten gab, der tatsächlich schulebildend war, dann dürfte dies primär Lehrndorfer gewesen sein: Mehrere spätere Domorganisten und Professoren haben bei ihm studiert – darunter auch der Freiburger Hochschulprofessor und einstige Domorganist Klemens Schnorr. Jetzt ist Franz Lehrndorfer 84-jährig in München gestorben. Nicht zuletzt in seinen Schülern lebt sein Wirken weiter.

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Autor: Johannes Adam