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13. Januar 2015

Technisch bravourös und lyrisch zugleich

Claire Garde (Flöte) und Stephanie Gurga (Flügel) im "Forum Interpretation" in Weil am Rhein.

  1. Claire Garde und Stephanie Gurga Foto: Gessner

Die Flötistin Claire Garde und die Pianistin Stephanie Gurga spielten bei ihrem Konzert in der Reihe "Forum Interpretation" im Alten Rathaus in Weil am Rhein Hauptwerke der Moderne und eine Sonate von Bach. Die Flötistin, die seit vergangenem Jahr an der Musikschule Weil am Rhein unterrichtet, eröffnete mit Sergej Prokofieffs Sonate in D-Dur und zeigte damit, dass sie die dicken Bretter der Musikliteratur zu bohren versteht. Die 1943 komponierte Sonate gilt als technisch äußerst anspruchsvoll. Von Prokofieff als eine Sonate "in zartem, flüssigen klassischen Stil" bezeichnet, enthält das Werk aber auch manche Brüche, in denen sich die Schrecken der Zeit zu spiegeln scheinen. Prokofieff transkribierte die Flötensonate auf Wunsch des Geigers David Oistrach später für Violine. "Die Arbeit war nicht sehr schwierig, denn wir fanden bald, dass der Flötenpart sehr leicht der Geigentechnik angepasst werden konnte."

Umgekehrt spielte Claire Garde bei ihrem Konzert die Violinsonate E-Dur von Bach (BWV 1016) in einer Bearbeitung für Querflöte. Die ebenfalls viersätzige Sonate gilt als die prachtvollste der "Sechs Sonaten für Violine und obligates Cembalo". Wie von Bach so angelegt, spielte die Pianistin ihren Part gleichberechtigt mit der Solo-Flöte. Für Stephanie Gurga auch die Gelegenheit, ihre Virtuosität zu beweisen. Bei den rhythmisch akzentuierten Passagen erinnerte ihre Interpretation mitunter an Glenn Gould. Das abschließende Allegro, spielten die Musikerinnen in rasendem Tempo. Technische Bravour, die viel Applaus bekam.

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In "Prélude à l'après-midi d’un faune" von Claude Débussy hatte die Französin ein Schlüsselwerk der Moderne ausgewählt. Der sinfonischen Dichtung liegt das gleichnamige Gedicht von Mallarmé zu Grunde, in dem es um einen Faun geht, der in arkadischer Landschaft nackten Nymphen nachstellt und anschließend eine kleine Siesta hält. Der Tänzer Nijinsky führte zu Debussys Musik 1918 in Paris einen skandalumwitterten Tanz auf, der das "Prélude" noch berühmter machte. In der Bearbeitung für Soloflöte und Klavier wirkt das Werk natürlich sehr viel schlichter, doch gerade die lyrischen Momente kommen dabei schön zum Ausdruck.

Zwei weitere anspruchsvolle Werke französischer Komponisten spielte Claire Garde gespielt: Die Fantaisie für Flöte und Klavier, op. 79 schrieb Gabriel Fauré 1898 für Paul Taffanel, Professor am Pariser Konservatorium, der um ein virtuoses Prüfungsstück gebeten hatte. Von Francis Poulenc erklang zum Abschluss die 1956/57 komponierte Sonate für Flöte und Klavier op.164. Die Zugabe, ein zart schmelzende "Blumenstück" von Wilhelm Popp, kommentierte die Flötenlehrerin mit: "Auch leichtere Flötenmusik kann schön klingen."

Autor: age