Todesgedanken in Goldglanz

Gero Schreier

Von Gero Schreier

Do, 10. November 2016

Klassik

Die Heinrich-Schütz-Kantorei konzertierte in Freiburg.

Können Todesgedanken in wohligem Goldglanz daherkommen? Nimmt man den eher versöhnlich-tröstlichen als traurigen "Actus tragicus" Johann Sebastian Bachs, scheint das gar nicht so weit hergeholt. Besonders dann, wenn er mit so sachter und kundiger Hand hingestellt wird wie in der Freiburger Martinskirche von der Heinrich-Schütz-Kantorei. Die Formation gibt das Werk, samt Solisten und einem Instrumentalensemble unter der Leitung von Bernd Scharfenberger, in matt getönter, leuchtender Klanglichkeit, aber weit entfernt von falscher Verklärung. Durchweg liegt der klanglich-interpretatorische Fokus auf Homogenität, weder hohe noch tiefe Register stechen heraus; differenziert wird dynamisch und was die Führung und das Zusammengehen der Register angeht.

Zum hellen und warmen Gesamteindruck trägt das Instrumentalensemble aus einer Continuo-Orgel, zwei Blockflöten und einem Streichertrio nicht wenig bei – dass Letzteres sich ausschließlich aus Instrumenten der Violenfamilie, aus Gamben und einer Violone zusammensetzt, macht sich klanglich durchaus deutlich bemerkbar.

Die Solisten als gemeinsame Farbe

Wie farbenreich bewegt ist dieser Mittel- und Unterbau etwa im Tenor-Arioso "Ach Herr, lehre uns bedenken"! Wobei man anmerken muss, dass mit Joachim Streckfuß ein vorzüglicher Tenor zu hören ist, der nicht nur kräftig und schlank timbriert, sondern auch agil und treffsicher ist.

Erfreulich, dass bei solch bemerkenswerten Einzelleistungen – zu denen auch die von Sonja Bühler (Sopran) zählt – das Solistenensemble als Ganzes eine gemeinsame Farbe darbietet, vor allem in den verschiedenen, bis zum Sextett reichenden Kombinationen in Heinrich Schütz’ "Musikalischen Exequien" und der Motette "Unser Leben ist ein Schatten" von Johann Bach. Reizvoll der Einfall, Choräle von dessen Großneffen Johann Sebastian in strophenweise wechselnder Besetzung einzuschalten.

Das Ergebnis ist kleinteilig, aber reich an Gestaltung. Dank fließender Tempi und vorsichtig-bestimmten musikalischen Zugs geht der rote Faden nicht verloren. Nahtlos fügen sich namentlich bei Schütz Chor- und Solistenpartien ineinander. Wie selbstverständlich und flüssig da die Phrasen gebildet und aufeinander aufgebaut werden – das zeugt, insbesondere was den Chor angeht, nicht nur von Einfühlung in das Idiom seines Namenspatrons, sondern auch von hoher Vokalkultur.