Verbeugung vor der Offenheit für die Moderne

Nikolaus Cybinski

Von Nikolaus Cybinski

Fr, 15. September 2017

Klassik

Frühere Kollegen um Heinz Holliger gedachten mit einem Konzert in Riehen des gestorbenen Klarinettisten Eduard Brunner.

Er war einer der großen Klarinettisten unserer Zeit, der 1939 in Basel geborene und in diesem Frühjahr in München gestorbene Eduard Brunner. Zu seinem Gedenken spielten am Mittwochabend in der Villa des Riehener Wenkenhof Heinz Holliger, Egidius Streiff, Mariana Doughty und Walter Grimmer das Oboenquartett 1994 von Isang Yun und, ergänzt um Guillermo Navarro Garcia (2. Geige) und Sébastian Singer (2. Cello) , das Streichquintett (D956) von Franz Schubert.

Zur Erinnerung in Kürze einige Stichworte: Eduard Brunner studierte in seiner Geburtsstadt Musik, erspielte sich bereits in jungen Jahren das Solisten- und Orchesterdiplom, wurde Soloklarinettist der Berliner Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayrischen Rundfunks, war ein hoch geschätzter und begehrter Kammermusiker, über viele Jahre unentbehrlicher Juror des ARD-Musikwettbewerbs, lehrte in Saarbrücken und Karlsruhe, hatte ein waches Gespür für die zeitgenössische Musik, entwickelte mit dem Komponisten Helmut Lachenmann neue Spieltechniken für sein Instrument und wurde 2012 "Instrumentalist des Jahres" und mit dem Echo-Klassikpreis ausgezeichnet.

Nun gedachten frühere Kollegen wie Holliger und Grimmer ihres Freundes, und dass sie dafür Yuns Oboenquartett wählten, war eine Verbeugung vor Brunners Offenheit für die Moderne. Yun, 1917 in Tong Yong (Südkorea) geboren und 1995 in Berlin, wo er seit 1969 lebte, gestorben, ist in unserem Musikleben ein immer noch weithin Unbekannter. Das ist zu bedauern, denn in seinen Kompositionen glückt ihm die Verbindung wesentlicher Merkmale der alten koreanischen Musik und denen der europäischen Musiktradition. Das wurde vor allem im langsamen Satz seines Oboenquartetts, hörbar, als die Oboe in lang ausgehaltenen, sich ständige wandelnden Einzeltönen mit den Klängen der drei Streicher dialogisierte und daraus ein sich friedvoll ergänzendes Neben- und Miteinander ergab. Hochsensibel von Holliger, Streiff, Dougthy und Grimmer gespielt.

Danach Schuberts spätes Quintett in einer erfrischend vitalen Interpretation. Der Salon der Villa hat ja eine ganz direkte, gelegentlich fast aggressive Akustik, und die nutzten die Fünf, um ihren Schubert im Geiste Beethovens zu spielen. Klanglich wurden das Allegro und das Presto zu eruptiven Ausbrüchen und noch im Adagio verwandelte Grimmer die Pizzicati in markante Explosionen, denen Streiff später ebenso antwortete. Beeindruckend zu hören!