Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

24. Februar 2015

Vokalkunst vom Feinsten

Das Dufay-Ensemble in der Freiburger Christuskirche.

Es soll Leute geben, bei denen die "Missa Papae Marcelli" von Giovanni Pierluigi da Palestrina im Ruch allzu großer Glätte, ja der Langweiligkeit steht. Sie hätten die Darbietung durch das Freiburger Dufay-Ensemble in der Christuskirche hören sollen! Das Vokalsextett – mit Neuzugang Kaspar Kröner als Altus – trägt das Werk mit einer Mischung aus intimem Ausdruck, klanglicher und rhetorischer Dichte, Stringenz des interpretatorischen Zugriffs vor, die schlicht fesselt.

All das erklingt in dichter, aber doch transparenter Tongebung, mit reiner Intonation. Die einzelnen Phrasen runden sich elastisch zum Zielpunkt, sind eng und flüssig miteinander verzahnt. Eins greift ins andere. So ergeben sich große Bögen, die ganze Sätze umspannen: Renaissance-Interpretationen vom Feinsten. In dem gewichtigen, schmerzlich-ausdrucksstarken "Miserere" von Josquin Desprez wird die subtile kontrapunktische Arbeit durchsichtig; Jacobus Vaets "Ave maris stella" strömt klang- und farbfreudiger, während Palestrina Josquins Transparenz mit Vaet’scher Dichte zu vereinen scheint.

Werbung


Der Neuzugang ist ein Gewinn

Dass das Konzert recht spontan angesetzt war, erläuterte Ensemble-Mitglied Rolf Ehlers vorweg; so sah man gern über kleinere Missgeschicke hinweg. Vaets Komposition muss wegen Ansatzschwierigkeiten neu begonnen werden. Gegen Schluss von Palestrinas "Credo" wird der Tenor Florian Cramer von Husten geplagt. Bewundernswert, wie souverän er und seine Mitstreiter sich darüber hinwegsetzen.

Gerade Cramer ist eine starke Stütze der Mittellage des Ensembles, mit ihm der Tenor Benoît Haller (eingesprungen für den erkrankten Clemens Flämig) und Cornelius Leenen (Bariton). Ulrich Strub tritt im "Agnus Dei" der Messe als dritter Tenor hinzu. Ehlers (Haute-Contre) ist gleichermaßen präsent, wenn er auch stimmlich teils zu kämpfen hat. Kaspar Kröner erweist sich als ein ausgesprochener Gewinn für das Dufay-Ensemble: Körners feiner, sehr leuchtkräftiger Altus gibt dem klanglichen Ganzen viel Charakter und Farbe. Georg Hage rundet mit klarem, sehr hellem Bass das Klangbild nach unten ab.

Autor: Gero Schreier