Von barockem Charakter

Grischa M. Freimann

Von Grischa M. Freimann

Di, 19. Juni 2018

Klassik

Michael Gerhard Kaufmann an der Inzlinger Dold-Orgel.

Die 1956 gebaute Orgel der Firma Willy Dold in der Inzlinger Kirche St. Peter und Paul ist 2015 durch die Orgelfirma Kuhn in Männedorf grundlegend renoviert worden – lange hatte man einen kompletten Neubau erwogen –, und behielt dabei ihren bisherigen barocken Charakter. So überrascht es nicht, dass am Sonntag im Konzert des Orgelsachverständigen der Erzdiözese und der evangelischen Landeskirche Baden, Michael Gerhard Kaufmann, auf dessen Anregung hin ein Antrag zur Aufnahme von Orgelmusyik in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes gestellt wurde, Werke im Zusammenhang mit Johann Sebastian Bach auf dem abwechslungsreichen, umfangreichen Programm standen.

Diese Werke gestaltete Kaufmann äußerst abwechslungsreich und nuanciert, flexibel in der Registrierung, jedem Werk seinen ganz eigenen Charakter bewahrend, so dass das Publikum am Schluss mit großem Applaus dankte; Kaufmann hatte schon bei der vorhergehenden Messe die Orgel gespielt.

Mit einem Werk aus der Feder Bachs, seinem ungefähr 1731 entstandenem Alla Breve in D, eröffnete Kaufmann sein Konzert, souverän und sehr lebendig gestaltet. Ähnlich stilecht klangen die Bearbeitungen von Werken Bachs und Georg Friedrich Händels aus dem 19. Jahrhundert, zum Teil elegisch-nachdenklich, zum Teil schwungvoll-mitreißend. Vor allem Bachs berühmte Air fand in der Bearbeitung Sigfrid Karg-Elerts Gefallen.

Spannend war die Entdeckung, wie durch Isfridus Kayser und seinen Nachfolger Sixtus Bachmann, dessen opulente Fuge in D Kaufmann sehr durchsichtig, immer aber gut verfolgbar, gestaltete, der französische mit dem italienischen Stil zu einer harmonischen Einheit wurden. Friedrich Silcher hat sich durch vielerlei Lieder wie der "Lorelei" vor allem bei Männerchören einen Namen gemacht, er bearbeitete aber auch das "Recordare" aus Wolfgang Amadeus Mozarts in seinem Todesjahr entstandenen Requiem für die Orgel, ein klassisches Stück, das aber auch auf dieser barock gehaltenen Orgel großen Eindruck hinterließ. Die Tonfolge B-A-C-H, die viele Komponisten zur Vertonung anregte, bearbeitete auch der Musikdirektor von Biberach, Justin Heinrich Knecht zu einer Fuge, bei der der Name des Komponisten quer durch Manuale und Pedal ging, eine auch in der Form adäquate Würdigung des großen Leipziger Thomaskantors und Komponisten.