Von unhörbar zart bis zu erschreckend laut

Nikolaus Cybinski

Von Nikolaus Cybinski

Di, 17. April 2018

Klassik

Basler Ensemble Phoenix gedachte des Percussionisten Daniel Buess.

Sein Leben verliert sich im Dunkeln. Vor zwei Jahren fand man Daniel Buess nach wochenlangem Suchen tot, und die Musiker des Basler Ensembles Phoenix mussten begreifen, dass sie einen der ihren für immer verloren hatten. "Er fehlt uns in jeder Probe" sagte Dirigent Jürg Henneberger am Samstagabend im Konzert in der Basler Gare du Nord, das seinem Andenken galt, und in dem Phoenix unter dem Thema "Clash" Kompositionen von Alfred Nüsel, André Meier, Thomas Lauck und Jannik Giger spielte.

Wer war Daniel Buess? Ein Percussinist heißt im deutschen Volksmund Schlagzeuger, und gilt gemeinhin als "Haudrauf!". Buess war der ganz andere: ein sensibler Musiker, einer, dessen Schläge, ob sie nun auf der Rühr- oder großen Trommel, auf Bongos, Congas, Tom-Tom, Timbales, Hi-Hat, Holzblock, Vibraphon oder Röhrenglocken erklangen, immer zu Musik wurden. Buess wusste, dass jeder Schlag eine Ton-und Klangbildung ist, und er beherrschte die oft rhythmischen Vertrackheiten zeitgenössischer Kompositionen traumhaft sicher.

"Clash", das Wort versteht Phoenix im Sinne von Buess als "klirrendes Aufeinanderprallen verschiedener Materialien, als Kollidierenlassen unterschiedlichster Welten". So lässt Alfred Knüsel in seinem Trio "Intarsie" für Bassflöte, Bassklarinette und Klavier das Andenken an Buess als in sich ruhendes Lamento erklingen, als ein dem Toten unaufgeregtes Nahesein. In André Meiers "Modular Form (#date)" erinnert ein zugespielter leiser Dauerton, über dem Klänge explodieren an beides: Andenken/ Trauern kann beides sein, Stille, Wort-, aber nicht Sprachloswerden und völlig entgrenztes Aufbegehren. So schlug Buess: bis zur Unhörbarkeit zart und zum Erschrecken laut.

Mit Buess hat der im Lörrach lebende Komponist Thomas Lauck über viele Jahre zusammengearbeitet; etliche seiner Werke hat er uraufgeführt. Und daran erinnert Lauck nun in seinem "Oktett (für den Musiker mit seinem Tamburin)". Es sind intensive, immer wieder überraschende und durchaus ins Herz gehende Klängeerinnerungen. Trauern als Zurückdenken und –fühlen an den, der einst "Metallgitter", "Xylon", "Vibraphonie" und "Trattati" uraufführte.

Ganz anders Gigers "Clash 2" für Ensemble, "Clash 1" für Ensemble + "Henneberger" (Single Screen Videoarbeit) und "Gabrys" (Single Screen Videoarbeit). Der Komponist und Videokünstler Giger versteht Trauer als extrovertiertes, doch keineswegs oberflächliches Aussichherausgehen; vor allem im Solo für Kontrabass "Gabrys" – das ist der Name des Kontrabassisten des Ensembles Phoenix – als grenzenloses emotionales Wüten. Weinen kann zum furchterregenden Schreien werden, und vielleicht ist das tatsächlich die gemäße Art, an Buess dunkles Lebensende zu erinnern.