Wo sich Welten treffen

Alexander Dick

Von Alexander Dick

Sa, 15. September 2018

Klassik

Die ensemble-recherche-Saison.

Die Welt ist nicht genug. Also jedenfalls jenes Globussegment, das auf dem neuen Saisonflyer des Freiburger ensemble recherche unter den sieben Konzertprogrammen hervorragt. Denn in denen geht es um Wirklichkeit, Vergangenheit, Zukunft, Babylon, die USA, China. Und Jacques Offenbach. Wie? Der 200. Geburtstag des genialen Franzosen aus Köln, des musikalischen Spötters gereicht dem Ensemble zum Saisonfinale zu einer Hommage zusammen mit dem Tubisten Carl Ludwig Hübsch und zwei Solisten der Neuen Vocalisten. Das Programm – eine Performance, ein Work-in-Progress. "Jacques Offenbach grüßt aus dem Off" ist ein Versuch mit ungewissem Ausgang.

Ungewisse Ausgänge gehören zur Neuen Musik. Wie auch das Hinterfragen dessen, was sich Wirklichkeit nennt. Zum Saisonauftakt am 9.10. hat Dramaturgin Sabine Franz ein Programm kuratiert, in dem sich "die eigene Unsicherheit offenlegt". Ob mit Isabel Mundrys Dufay-Bearbeitungen oder Richard Caustons "Phoenix", einer unkonventionellen Form von Neuer Musik. Der Brite Causton ist mit seinen Studenten vom King’s College Cambridge ebenso Gast bei der diesjährigen "Klassenarbeit" wie Carola Bauckholt mit ihren Eleven von der Linzer Anton-Bruckner-Privatuniversität. Auch hier dürften Welten aufeinanderprallen.

Im Mai wird das ensemble recherche zusammen mit der Sopranistin Lini Gong unter dem Motto "unendlich" Werke sechs chinesischer Komponisten uraufführen. Anschließend geht’s nach Shanghai. Eine Zusammenarbeit, so Franz, mit viel gegenseitigem Respekt. Und doch nicht absehbaren Ergebnissen. Für "Babylonische Verwirrung" – vor allem beim Publikum – sorgt ein Programm mit extrem unterschiedlicher Musik. Der in Schweden lebende Syrer Hardi Kurda wird kontrovers und sprichwörtlich "The latest News" beisteuern, während Christian Mason mit "Zwischen den Sternen" sehr versöhnlich babylonisiere.

Der Anrufbeantwortertext "Vorblättern. Zurückblättern. (Löschen.)" kann auch zu einem Programm inspirieren. Darin geht es darum, dass Vergangenheit auch mal Zukunft war, festgemacht an Werken von Boulez, Trojahn und Haubenstock. Wie korrespondieren diese heute mit jüngeren Schöpfungen? Und schließlich "Challenge" – die Herausforderung USA. Werke von Komponisten aus Harvard, Columbia, North Western – und auch Albuquerque/New Mexico. Amerika ist nicht nur Trump.